Welchen Mehrwert bieten Analysen?

Haben auch Sie schon mal den Bericht eines Analysten gelesen oder im Fernsehen verfolgt, der Ihnen stolz erklärt, dass er eine jetzt eingetretene Entwicklung bereits vor langer Zeit vorausgesehen hat? Ärgern Sie sich, dass Sie eine Chance verpasst haben, weil Sie dem Rat des Analysten nicht gefolgt sind oder ihn einfach übersehen haben, weil sie die falsche Zeitung lesen? Keine Sorge – es lohnt nicht sich zu ärgern!

Wir machen keinen Hehl daraus, dass wir zu Analystenmeinungen ein gespaltenes Verhältnis haben. Bevor wir darauf detaillierter eingehen, gilt es aber erst einmal eine Abgrenzung vorzunehmen. Zu differenzieren ist zwischen „echten“ Analysten und denjenigen, die sich zwar so nennen, ihr Wissen aber aus zweiter oder dritter Hand beziehen.

Echte Analysten kommunizieren Auge in Auge mit den Verantwortlichen eines Unternehmens. Sie holen sich Antworten auf Ihre Fragen aus erster Hand und werten Unternehmensunterlagen aus. Auf dieser Basis erstellen sie eine fundierte Analyse und versuchen die weitere Entwicklung zu prognostizieren.

Ein großer Teil der „Analysen“, die in einschlägigen Printmedien oder Onlineportalen zur Verfügung stehen, stammt leider aus der Feder – unserer Meinung nach – selbsternannter Analysten, die ihrerseits verschiedene Meinungen zu einem Unternehmen recherchieren und daraus einen Artikel schreiben, den sie dann Analyse nennen.

Auch wenn die Trefferquote bei den echten Analysten etwas besser erscheint, weil sie über eine bessere Datenbasis verfügen, so gilt für sie, wie auch für die selbsternannten Analysten vor allem eines: Niemand kann alle Unwägbarkeiten berücksichtigen oder gar voraussehen.

Weiterhin gilt es zu differenzieren zwischen fundamentalen Analysten und technischen Analysten. Fundamentale Analysten nutzen fundamentale Daten, um eine meist mittel- oder langfristige Prognose zu erstellen. Technische Analysten schauen auf Charts und Indikatoren, um weitere Kursverläufe zu prognostizieren. Der Zeitraum kann hier zwischen kurz- und langfristig liegen.

Insbesondere bei den technischen Analysten werden die Analysen oft im Stil eines Horoskopes verfasst. Die Formulierungen sind häufig vage und schaffen einen Interpretationsspielraum, in dem sich fast jede zukünftige Entwicklung abbilden lässt. Gerne wird der Konjunktiv verwendet, um aufzuzeigen, dass etwas möglich ist. Explizit Stellung bezogen wird nur sehr selten.

Oft bilden drei Elemente die Kernaussage: Eine Aufwärtsbewegung könnte sich etablieren, wenn der Kurs eine bestimmte Marke überschreitet. Eine Abwärtsbewegung könnte sich etablieren, wenn der Kurs eine bestimmte Marke unterschreitet. Sollte dies beides nicht geschehen, könnte sich der Kurs weiter seitwärts bewegen. Hier werden drei Wahrscheinlichkeiten in Aussicht gestellt, von denen eine durchaus die Chance hat auch wirklich einzutreten. Der Analyst kann also stolz vor sein Publikum treten und behaupten, dass er das exakt so vorausgesehen hat.

Was aber passiert, wenn der Kurs tatsächlich die angepeilte Marke überschritten hat, die Prognose aber nicht eingetreten ist, weil er danach nicht weiter gestiegen, sondern gefallen ist? Außer, dass Ihr Investment den Bach herunter gegangen ist – Gar nichts. Der Analyst tritt mit diesem Ergebnis einfach nicht an die Öffentlichkeit. Er schreibt die nächste Analyse und hofft darauf, dass er bei dieser mehr Glück hat.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Analysen fast nie konkrete Zeitrahmen abstecken. Als Trader oder Investor haben Sie aber einen Zeitrahmen. Dieser kann je nach Strategie und Zweck des Investments Tage, Monate oder Jahre betragen. Die vage Aussicht, dass Sie vielleicht irgendwann einmal einen Gewinn erzielen können, ist wenig zweckdienlich.

Auch der Zweck von Analysen und deren Verbreitung sollte genauer betrachtet werden. Denken Sie einfach mal darüber nach, warum es überhaupt Analysten und ihre Analysen gib. Und was noch wichtiger ist: Warum werden Analysen veröffentlicht?

Stellen Sie sich vor, Sie wären ein begnadeter Analyst in Diensten eines großen Hedgefonds. Sie analysieren ein Unternehmen und stellen fest, dass sich eine gigantische Investment-Chance bietet. Sie berichten Ihrem Chef von dieser Entdeckung. Was wird dieser wohl sagen? „Gut gemacht, das müssen wir unbedingt sofort verbreiten.“? Oder wird er Ihnen dringend dazu raten den Mund zu halten, weil der Hedgefonds erst einmal so viele Anteile an dem Unternehmen erwerben möchte, wie nur irgendwie möglich, bevor auch andere diese Chance entdecken und die Nachfrage den Aktienkurs nach oben treibt? Die Antwort liegt auf der Hand.

Was lehrt uns das? Wenn die Analyse auf unserem Schreibtisch liegt, ist der Drops gelutscht. Es gibt nur noch einen Grund die Analyse zu veröffentlichen und dafür zu sorgen dass dieses Unternehmen von nun an in aller Munde ist: Der anschließende Hype soll den Kurs weiter nach oben katapultieren – nachdem der Hedgefonds, der den Analysten bezahlt, investiert ist. Bei genauer Betrachtung führt die Veröffentlichung zu einer legalen, gewollten Manipulation des Marktes. Diese Analysen erkennen Sie übrigens häufig daran, dass hier deutlich seltener der Konjunktiv verwendet wird. Wenn es das Ziel ist, den Kurs zu treiben, dann ist es sinnvoller zu schreiben, dass der Kurs steigen wird anstatt dass er steigen könnte. Die Erkenntnis hieraus: Werden in einer Analyse klare Aussagen getroffen, ist es häufig eine als Analyse getarnte Werbung mit einer klaren Absicht.

Andere Gründe dafür, dass es Analysen gibt, sind ungleich banaler. Der professionelle Analyst verdient sein Geld damit. Und einige der selbsternannten Analysten streicheln einfach ihr Ego dadurch, dass sie ihren Namen im Internet lesen können, oft sogar unentgeltlich.

Fazit: Analysen sagen Ihnen, dass irgendetwas passieren könnte, niemand weiß aber genau wann. Die „Helden des Tages“ sind immer diejenigen Analysten, die gerade das Glück hatten, richtig getippt zu haben. Die wirklich wichtigen Informationen erreichen den privaten Anleger ohnehin immer zu spät oder dienen dazu ihn zu manipulieren.

Einen Nutzen haben technische und fundamentale  Analysen aber dennoch. Wenn genug, vor allem namenhafte Analysten (Das sind diejenigen, die öfter Glück hatten als ihre Kollegen) in dasselbe Horn stoßen, bilden sie damit eine Meinung in der Masse. Das führt zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Denn wenn die Masse einer Ansicht eines oder mehrerer Analysten folgt, wird das eintreten, was prognostiziert wurde. Diese Gelegenheit kann genutzt werden, um eine Weile auf dieser Welle mit zu schwimmen. Aber Vorsicht: Die großen Mitspieler und die Manipulatoren sitzen schon am Abzug und warten nur noch auf den richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg.

Mit unserem Trading setzen wir deshalb nicht direkt auf (oft wenig aussagekräftige) Analysen, sondern indirekt auf die Auswirkungen von Analysen. Setzt sich eine Meinung durch, wird dies im Chart ersichtlich. Das ist der optimale Nährboden für unsere Straddle-Strategie. Gerät ein Kurs durch die Meinung der Masse in Bewegung, kommt es sehr schnell zu Reaktionen an markanten Kursleveln. Es ist also nicht die Analyse, die wichtig ist, sondern die Bewegung, die daraus resultiert. Und hiermit kommen wir zurück zum Anfang: Es ist dann in der Tat egal, ob der Kurs sich aufwärts, abwärts oder seitwärts bewegt – wichtig ist, dass er sich bewegt und ein wenig Volatilität entwickelt. Danke, lieber Analyst!