Update: Weiterhin „Schleudergefahr“!

Mehr als zwei Wochen sind seit unserem letzten Blog-Eintrag vergangen. Für uns, die wir täglich die Märkte beobachten und endlich wieder vom Beobachter zum Akteur werden wollen, fühlt sich das sehr lange an. Für den Markt ist es nur eine Findungsphase mit einer Schwankungsbreite von etwa 500 Punkten im DAX®. Immer noch gilt: Blinder Aktionismus ist fehl am Platz. Geduld ist gefragt!

In unserem letzten Beitrag berichteten wir über eine mögliche Anpassung der Strategie. Als Basis wurden hier Intraday-Zeiträume betrachtet und Anomalien bei der impliziten Volatilität beobachtet. Bisher liefern unsere Beobachtungen zwei Erkenntnisse. Erkenntnis Nr. 1: Ja, es gibt diese Anomalien und sie lassen sich recht sauber filtern und erkennen. Erkenntnis Nr. 2: Sie sind sehr kurzlebig.

Gerade letzteres erfordert für einen profitablen Handel einen nahezu perfekten Einstieg und einen ebenso nahezu perfekten Ausstieg. Das Gewinnziel einer solchen Position liegt selbst unter optimalen Bedingungen nur bei wenigen hundert Euro. Das Risiko hat jedoch die selbe Größe wie immer. Wird der Ausstieg verpasst, wird nicht nur der kleine Gewinn wieder abgegeben. Die Position läuft auch schnell wieder in den Verlust. Ob sie sich daraus wieder erholt, ist oft fraglich.

Perfekte Ein- und Ausstiege sind nicht konsistent und beinhalten immer auch eine „Glückskomponente“. Wer schon einmal an den Kapitalmärkten gehandelt hat, weiß das. Sollte einer der Leser dieses Beitrages es geschafft haben, 100 mal in Folge eine Aktie zum absoluten Tiefstkurs gekauft und zum absoluten Höchstkurs verkauft zu haben, so bitten wir dringend um Kontaktaufnahme…

Spaß beiseite: Wenn perfekte Ein- und Ausstiege kaum möglich sind, der angepeilte Gewinn stark limitiert ist und das Risiko im Verhältnis zum Gewinn größer ist als sonst, dann sieht das nicht nach einer vorteilhaften Situation aus. Die logische Konsequenz daraus ist, dass wir hiervon die Finger lassen.

Wie sieht’s also aus?

Wir müssen Ihnen und uns leider noch eine weitere Wartezeit zumuten. An der Gesamtsituation hat sich noch nicht viel geändert – wie schon gesagt, zwei Wochen sind für den Kapitalmarkt nicht viel Zeit. Im DAX® lassen sich aktuell keine Straddles mehr platzieren. Die Schwankungsbreite ist zu niedrig und die implizite Volatilität wird reduziert.

Für die Einzeltitel ist es nach wie vor zu früh. Eine Reduzierung der impliziten Volatilität ist auch hier zu beobachten. Das ist für uns allerdings positiv. Da die implizite Volatilität nur auf eine Mindestmaß fallen kann, können wir bei Erreichen dieses Mindestmaßes wieder Straddles positionieren. Die Entwicklung ist hier auf einem guten Weg. Aber auch das kann noch eine Weile dauern.

Mehr Auswahl, mehr Chancen!

Während des Wartens auf „Bessere Zeiten“ waren wir selbstverständlich nicht untätig. Bisher haben wir für unsere Straddles lediglich die DAX®-Werte beobachtet. Solange man aus dem Vollen schöpfen kann, reichen diese 30 Titel aus. Da sich die Optionsscheine auf diese Einzeltitel sehr unterschiedlich entwickeln, insbesondere was die implizite Volatilität und die Spreads betrifft, werden wahrscheinlich nicht alle 30 Titel zeitgleich wieder zu interessanten Kandidaten. Es erschien uns deshalb sinnvoll die „Pausenzeit“ dafür zu nutzen unsere Basis zu verbreitern.

Wir haben uns den CDAX®, den EURO STOXX 50® und den S&P 500® angeschaut. Im CDAX® sind alle Titel enthalten, die an der Frankfurter Börse im Prime Standard oder im General Standard gelistet sind. Der EURO STOXX 50® umfasst die 50 größten Unternehmen aus dem europäischen Wirtschaftsraum. Im S&P 500® sind die Aktien der 500 größten US-Unternehmen gelistet.

Leider gibt es bei den Emittenten, deren Produkte für unser wikifolio genutzt werden können, nicht für jedes der Unternehmen passende Optionsscheine. Anstatt der bisherigen 30 Unternehmen beobachten wir jetzt aber mehr als 300 Unternehmen. Die Auswertung der Daten in einem solchen Umfang ist nur durch den Einsatz unserer selbst geschaffenen Scanner-Technologie möglich. Neben der technischen Komponente ist auch der Weg der Informationsbeschaffung wichtig. Auch hier haben wir, gerade mit Blick auf die US-Titel, weitere Quellen erschlossen.

Wie geht’s weiter?

Momentan ist der Markt aus unserer Sicht noch nicht wieder in „Straddle-Verfassung“. Verfrühte Einstiege bringen immer noch Gefahr mit sich. Mehr Titel unter Beobachtung bedeuten aber mehr mögliche zukünftige Chancen. Wir setzen also nicht auf höheres Risiko, sondern auf eine breitere Basis.

Wir werden den Markt weiterhin täglich im Auge behalten und hoffen bald wieder den einen oder anderen Einzeltitel handeln zu können.