Kleinvieh macht auch Mist!

In unserem letzten Artikel berichteten wir darüber, dass wir während der aktuell unsicheren Marktphase das „große Investment“ sehr skeptisch betrachten und momentan eher vermeiden. Zu groß ist hier das Risiko eines deutlichen Rücksetzers. Stattdessen wollen wir mit kleinen, gehebelten Positionen die Performance aufbessern. Wie das funktioniert, erfahren Sie in diesem Beitrag.

MARKT-SCREENING

Allem voran steht die permanente Beobachtung der Märkte. Insbesondere behalten wir hier Deutsche und Europäische Aktien im Auge. Der Grund für diese Auswahl ist einfach. Erstens kennen wir uns in unserer Heimat am besten aus und zweitens liegt für diese Titel eine hohe Informationsdichte vor. Beides ist von elementarer Bedeutung, wenn schnelle Entscheidungen getroffen werden müssen.

Hinzu kommt, dass wir, bedingt durch den Einsatz von Optionsscheinen, durch wikifolio teils recht stark limitiert werden. Für den Deutschen und den Europäischen Markt gibt es allerdings meistens eine für uns ausreichende Auswahl an Call- und Put-Optionsscheinen.

Unser Screening folg einem regelbasierten Ansatz. Der Vorteil eines solchen Ansatzes liegt einerseits in der Reproduzierbarkeit von geeigneten Handels-Chancen und andererseits in der dadurch bedingten geringeren Erfordernis intensiver Recherche. Dies führt zu immer gleichen- oder zumindest sehr ähnlichen – Abläufen. Und das wiederum schafft die Möglichkeit einen Erwartungswert zu ermitteln. Es handelt sich hier also um einen sehr technischen Ansatz, der wenig zu tun hat mit den üblichen Überlegungen, die bei der Entscheidungsfindung für ein mittelfristiges Investment angestellt werden müssen.

AUGEN AUF!

Ganz so einfach, wie sich es anhören mag, ist es dann aber doch nicht. Selbstverständlich bietet das Screening nur ein Initial. Stellen Sie sich das so vor, als wenn Sie auf einer Nebenstraße auf eine Kreuzung zufahren, an der die Ampel ausgefallen ist und deshalb nur gelb blinkt. Sie sehen, dass es etwas zu beachten gibt. Ob, bzw. wann Sie die Kreuzung überqueren, entscheiden Sie aber erst, nachdem Sie nach rechts und links geschaut haben. Diese Analogie passt ganz gut. Denn wenn die zu überquerende und vorfahrtberechtigte Straße stark befahren und auch noch mehrspurig ist, dann sollten Sie einschätzen können, wie schnell der Querverkehr ist und ob Sie wirklich auch alle Fahrzeuge sehen. Um wieder den Bogen zu schlagen: Sie müssen die Titel, die Volatilität und den Markt kennen. Ist das nicht der Fall, kann „der Mut zur Lücke“ schnell mit einem Unfall enden.

UND WENN´S DOCH MAL KRACHT?

Auch darauf sind wir vorbereitet. Unser Airbag ist unser Risikomanagement. In den meisten Fällen „erwischen wir die Lücke“ und können unsere Position zeitnah mit Gewinn ausbuchen. Sollte das nicht funktionieren, weil unsere Einschätzung falsch war, läuft die Position in den geplanten Verlust. Die Höhe dieses Verlusts wird schon beim Öffnen der Position klar definiert.

Erreicht wird das durch den Einsatz möglichst hoch gehebelter Turbo-Optionsscheine. Risikomanagement und hoher Hebel? Wie passt das zusammen? Uns ist bewusst, dass die Lehrmeinung immer davon ausgeht, dass hoch gehebelte Turbo-Optionsscheine geradezu ein Teufelszeug sind und früher oder später jedes Depot zugrunde richten. Wir können Sie beruhigen: Diese unvollständige Aussage ist Unsinn! Richtig ist, dass ein hoch gehebelter Turbo-Optionsschein selbstverständlich ein um den Hebel höheres Risiko hat als der Basiswert, der diesem Turbo-Optionsschein zugrunde liegt.

Ein Beispiel:
Bei einem Turbo-Optionsschein, auch Knock-Out-Optionsschein genannt, der über einen Hebel 100 verfügt, reicht eine Bewegung des Basiswertes in Höhe von einem Prozent aus, um den Wert des Turbo-Optionsscheins zu verdoppeln oder um ihn in den KO zu treiben und wertlos zu machen. Die Spread-Kosten lassen wir bei dieser Betrachtung der Einfachheit halber unberücksichtigt.

Wenn Sie also Ihr gesamtes Depotkapital in einen solchen Turbo-Optionsschein investieren, dann ist es richtig, dass Sie vielleicht innerhalb weniger Stunden oder Minuten Ihr gesamtes Depot vernichtet haben.

Das Risikomanagement besteht also darin die richtige Positionsgröße zu wählen. Wenn Sie nicht Ihr gesamtes Depotkapital in diesen Turbo-Optionsschein investieren, sondern nur ein Prozent Ihres Depotkapital, verlieren Sie auch maximal nur ein Prozent. Der große Vorteil von Turbo-Optionsscheinen ist, dass sie nicht mehr als ihren Wert verlieren können. Halten Sie eine Position über Nacht und der Kurs des Basiswertes öffnet mit einer Kurslücke von beispielsweise fünf Prozent, wird der Turbo-Optionsschein ausgeknockt und sie verlieren trotzdem niemals mehr als Ihren ursprünglichen Einsatz!

UNSER RISIKOMANAGEMENT

Wir sind sogar noch deutlich vorsichtiger, als in dem Beispiel beschrieben. Wenn wir einen Turbo-Optionsschein auf eine Aktie für den kurzfristigen Einsatz kaufen, investieren wir im Normalfall etwa 0,1 Prozent des Depotwertes.

Der Hebel kann variieren. Je enger die Knock-Out-Barriere am aktuellen Kurs des Basiswertes liegt, umso höher ist der Hebel. Und umso geringer muss die Bewegung des Basiswertes ausfallen, um den Turbo-Optionsschein entweder wertlos oder wertvoll zu machen. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Volatilität des Basiswertes zu kennen. Eine zu nah liegende Knock-Out-Barriere lässt dem Basiswert zu wenig Raum für seine übliche Schwankungsbreite. Deshalb nochmal der Hinweis: Man sollte den Basiswert kennen, wissen, was ihn gerade antreibt und wissen, welchen Spielraum er benötigt. Zeit für aufwendige Recherchen gibt es nicht, wenn derart kleine, temporär begrenzte Bewegungen genutzt werden sollen.

Gewöhnlich sollte die Haltedauer zwischen einigen Stunden und wenigen Tagen liegen. Das Initial, welches unser Markt-Screening liefert, ist nach einer gewissen Zeit „verpufft“. Ab diesem Zeitpunkt würde nur noch das „Prinzip Hoffnung“ gelten. Wir haben das auch schon an anderer Stelle erwähnt: Wir hoffen nicht, wir planen! Und wenn ein Plan nicht aufgeht, wird irgendwann die Reißleine gezogen.

Oft werden Sie auch feststellen können, dass aus einer Position, gerade aufgrund des Hebels, noch deutlich mehr herauszuholen gewesen wäre. Ebenso wären aber Positionen, die temporär gut im Gewinn standen, zum Verlust geworden, wenn man sie im Markt gelassen hätte. Wichtig sind hier ein waches Auge und die Freude an der Entscheidung. Abgerechnet wird in Summe, nicht in einzelnen Positionen.

WIR REDEN NICHT NUR, WIR HANDELN AUCH!

Das untenstehende Bild zeigt drei Positionen, die entsprechend der oben beschriebenen Strategie gehandelt wurden. Die Haltedauer beträgt wenige Stunden bis zwei Tage. Wenn Sie die Performance betrachten, wundern Sie sich bitte nicht über die dort genannten Werte. Es handelt sich hier um Turbo-Optionsscheine mit einem ursprünglichen Hebel von knapp über 10. Die Turbo-Optionsscheine entwickeln sich also rund um das 10-fache stärker als die zugrundeliegenden Basiswerte. Da wir uns in dem aktuellen Marktumfeld auf der Put-Seite wohler fühlen, haben wir bei allen drei Titeln auf fallende Kurse gesetzt.

Hier wurde exakt das oben beschriebene Risikoprofil angewendet. Die Positionen wurden am heutigen Freitag glattgestellt, um sie nicht über das Wochenende halten zu müssen. Der Zeitpunkt der Glattstellung lag im vorbörslichen US-Handel. Auch dieser Zeitpunkt wurde bewusst gewählt, da es durch die US-Börsen durchaus noch zu weiteren Kursausschlägen kommen kann, die sich sowohl positiv als auch negativ auswirken können. Hinzukommt, dass heute ein Kleiner Verfallstag war, an dem Optionen auf Aktien und Indizes verfallen, was ebenfalls zu überraschenden Kursbewegungen führen kann.

Wir haben Vorsicht walten lassen und die Positionen mit einem Gewinn von in Summe etwa 0,1 Prozent bezogen auf das Depotkapital aus dem Markt genommen. Das Gesamtrisiko der drei Positionen lag maximal und absolut sicher bei etwa 0,3 Prozent.

Hätten wir die Position noch bis in den US-Handel hinein gehalten, wäre das Ergebnis noch besser ausgefallen. Entgegen dem üblichen Mantra „Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen“, gilt es bei dieser Teilstrategie Gewinne zügig zu realisieren – unabhängig davon, ob später der Gewinn vielleicht hätte höher sein können. Wir nutzen das Initial unseres Screenings, welches den Basiswerten oft etwas „Anschub“ in die richtige Richtung gibt. Wird der Ausstieg verpasst, kann eine Kurswende in die Knock-Out-Barriere führen und somit zum unwiederbringlichen Verlust des Einsatzes. Bei einem negativen Chance-Risiko-Profil und bei einer gleichzeitig erhöhten Wahrscheinlichkeit für die antizipierte Bewegung des Basiswertes, darf nicht gezögert werden Gewinne zu realisieren.

Eine Performance von 0,1 Prozent hört sich nicht nach besonders viel an. Zehn mal 0,1 Prozent sind aber auch 1 Prozent. Diese Strategie ist also eine sinnvolle Beimischung zu unserem Depot – vor allem in Zeiten fallender, stagnierender oder unsicherer Märke.

FAZIT
  • Turbo-Optionsscheine mit Knock-Out-Barriere eignen sich hervorragend zur Risikobegrenzung.
  • Dank der Hebelwirkung kann auch von kleinen Bewegungen profitiert werden.
  • Unser selbst entwickeltes Markt-Screening liefert uns nahezu täglich mögliche Handelschancen, sowohl in steigenden wie auch in fallenden Märkten.
  • Die Entscheidungen werden mit Bedacht in einem vertrauten Markt, mit vertrauten Basiswerten getroffen.
  • Das Risiko einer Einzelposition für diesen Teil unserer Strategie liegt in den meisten Fällen bei etwa 0,1 Prozent des Depotwertes. Fallen 10 dieser Positionen, warum auch immer, zeitgleich oder im Rahmen einer „schwarzen Serie“ nacheinander aus, ist der Verlust aus diesen Positionen auf etwa ein Prozent des Depotwertes begrenzt.

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