Was ist eigentlich ein Straddle und wie funktioniert er?

Mehrfach erreichte uns die Frage „Was ist eigentlich ein Straddle und wie funktioniert er?“. Zugegeben, die komplexe Funktionsweise zu verstehen ist nicht ganz so einfach. Die Grundfunktionalität ist aber „schnell“ erklärt.

Wie das immer so ist, wenn es etwas zu erklären gibt, nutzen wir hierfür gerne unseren neuen Kanal bei YouTube. Mit Bild und Ton lassen sich viele Dinge einfacher darstellen, als in reiner Schriftform. Trotzdem weisen wir auch an dieser Stelle gerne noch einmal auf unsere kostenlose Broschüre hin.

Auch das Video „Emission erfolgreich abgeschlossen – wie geht’s weiter?“ gibt einige weitere Einblicke und ist eine gute Ergänzung zu dem Video, welches wir für diesen Blog-Eintrag angefertigt haben.

Emission erfolgreich abgeschlossen – wie geht’s weiter?

Am 8. Juli war es endlich soweit: Unser wikifolio-Indexzertifikat Long Straddle Warrants wurde emittiert! Grund genug für uns, ein neues Video zu produzieren. Wie ist die aktuelle Lage, wie sind wir positioniert und was lässt die Zukunft erwarten? Die Antworten gibt es hier.

In diesem Video erfahren Sie, was wir von unserer aktuellen Positionierung erwarten. Wir schauen uns die Optionsscheine eines im Markt befindlichen Straddles detailliert an. Darüber hinaus blicken wir in die Zukunft. Wie wird unser Handel aussehen, wenn die Märkte sich wieder beruhigen? Wir wünschen Ihnen spannende Erkenntnisse…

 

Da kann man sich nur wundern…

Da reibt man sich doch schon mal die Augen vor Verwunderung. In den vergangenen zwei Wochen jagte eine Krise die nächste…und an den Aktienmärkten wird gefeiert.

Unseren letzten Straddle nahmen wir am 26. Mai aus dem Markt. Seitdem halten wir unser Pulver trocken und warten mal wieder auf eine sinkende implizite Volatilität. Gewöhnlich fällt diese, wenn der Markt steigt. Das ist aber nur dann der Fall, wenn der Markt sich in einem sicheren Umfeld moderat nach oben tastet.

„Tasten“ ist in der aktuellen Marktsituation wohl die falsche Begrifflichkeit. Die Indizes werden nach oben „geprügelt“. Unmengen von Geld fließt in die Märkte, die Handelsumsätze explodieren. Und das unter Ausblendung jedweder potentieller Risiken.

Ist das wirklich so? Werden die Risiken wirklich komplett ausgeblendet? Nein!

Der DAX®-Chart mag isoliert betrachtet eine (wieder) heile Welt darstellen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Ein Blick auf die implizite Volatilität der einzelnen Optionsscheine zeigt, dass diese wieder ansteigt – trotz eines steigenden DAX®. Wie passt das zusammen?

Es muss differenziert werden zwischen dem oben bereits erwähnten sicheren Umfeld, in dem ein Kurs moderat steigt und zwischen dynamischen Ausschlägen, wie wir sie aktuell sehen. Die implizite Volatilität drückt die Erwartung der Marktteilnehmer darüber aus, ob sich die zukünftige Schwankungsbreite erhöht oder absenkt. In einem sicheren Umfeld und bei moderat steigenden Kursen ist die Gefahr von plötzlichen, heftigen Rückschlägen gering. Je länger das Sentiment positiv ist, umso sicherer sind die Marktteilnehmer, dass die Schwankungsbreite zukünftig gering sein wird. Optionsscheine, die weit aus dem Geld liegen werden kaum nachgefragt. Da sich die implizite Volatilität im wesentlichen aus Angebot und Nachfrage von Optionen bzw. Optionsscheinen ableitet sinkt die implizite Volatilität.

Was passiert aktuell? Auch in den letzten Wochen drückten die Märkte nach oben. Allerdings in einem äußerst unsicheren Umfeld. Je stärker die Bewegung nach oben, umso mehr wird ein Rücksetzer befürchtet. Dies führt zu einer hohen Nachfrag von entsprechenden Optionsscheinen. Mit Put-Optionsscheinen können Anleger entweder ihre Depots absichern oder Spekulanten können von fallenden Kursen profitieren. Die Annahme einer hohen Schwankungsbreite führt dazu, dass auch Optionsscheine gekauft werden, die noch weit aus dem Geld sind. Das führt wiederum zu einer ansteigenden impliziten Volatilität – trotz steigender Kurse.

Die Risiken werden also doch nicht komplett ausgeblendet. Dies zeigt sich allerdings nicht im DAX®-Chart, sondern in der impliziten Volatilität der Optionen und Optionsscheine. Die aktuelle Überhitzung des Marktes und die noch lange nicht ausgestandenen wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise sind also durchaus zu erkennen. Allerdings nur dann, wenn man genau hinschaut.

Risikovermeidung geht vor Renditemaximierung

Da wir aufgrund der hohen impliziten Volatilität (noch) nicht im Markt sind, partizipieren wir aktuell nicht an den steigenden Kursen. Das ist aber nicht schlimm, da wir in unserem wikifolio-Musterdepot „Long Straddle Warrants“ im Vergleich zu vielen anderen reinen Aktien-wikifolios keinen Verlust zu verbuchen hatten, als die Märkte einbrachen. Demzufolge gibt es für uns auch nichts zu „reparieren“. Wir stehen nicht unter Druck und können ganz entspannt unserer Arbeitsweise treu bleiben: Risikovermeidung geht vor Renditemaximierung.

Hinweise zu Video-Dokumentation

Zukünftig werden wir einige Positionen nicht nur mit Bild und Wort dokumentieren, sondern Ihnen darüber hinaus auch eine Video-Dokumentation anbieten.

Als Einstieg für alle weiteren Videos erläutern wir Ihnen in diesem ersten Video den Aufbau unserer Charts. Schauen Sie sich dieses Video an, es gibt Ihnen das erforderliche Verständnis für die zukünftigen Video-Dokumentationen an die Hand.

Was ist eigentlich eine Delta-Abweichung?

Die momentan ruhige Phase möchten wir nutzen, um mal wieder einen Artikel zu schreiben, der der Erweiterung des Wissens über den Handel mit Optionsscheinen, insbesondere eines Straddles, dient. Wenn Ihnen der eine oder andere verwendete Begriff noch nicht geläufig ist, laden Sie sich unsere kostenlose Broschüre herunter. Dort finden Sie alle erforderlichen Erläuterungen.

Warum schreiben wir von einer „ruhigen Phase“? Es sollte doch eigentlich genug Volatilität im Markt sein, um das volle Potential eines Straddles ausnutzen zu können. Ja, Volatilität ist vorhanden. Und es ist richtig, dass ein Straddle von der Volatilität lebt. Wenn wir hier über Volatilität schreiben, dann meinen wir immer die implizite Volatilität, die über das Vega Einfluss auf die Optionsscheinprämie hat. Eine steigende Volatilität sorgt für steigende Optionsscheinprämien.

Bei den Optionsscheinen, deren Basiswert zum Beispiel die Aktie eines DAX®-Unternehmens ist, finden wir aktuell eine sehr hohe Volatilität vor. Das bedeutet, dass das Potential für einen weiteren Anstieg der Volatilität nur noch sehr begrenzt ist, während das Risiko einer fallenden Volatilität bei sich beruhigenden Märkten sehr hoch ist. Eine fallende Volatilität reduziert die Optionsscheinprämien, sowohl die des Call-Optionsscheines, wie auch die des Put-Optionsscheines. Ein Absinken der Volatilität geht oft Hand in Hand mit geringeren Kursausschlägen, die über das Delta ebenfalls zu einer geringeren Veränderung der Optionsscheinprämien führen. So kann es passieren, dass der negative Einfluss der sinkenden Volatilität stärker ist, als der positive Einfluss des Delta.

Das ist kein gutes Umfeld für die Positionierung eines Straddles auf eine Aktie. Deshalb können wir momentan „die Füße still halten“ und von einer ruhigen Phase sprechen.

Etwas anders sieht die Situation für den DAX®-Index aus. Die Volatilität ist seit dem Hoch Mitte März schon wieder deutlich zurück gekommen. Einen Straddle auf den DAX® können wir mittlerweile wieder handeln.  Auch hier muss selbstverständlich trotzdem die Volatilität beachtet werden.

Seitdem die Volatilität im Gesamtmarkt angestiegen ist, muss allerdings noch ein weiterer Sachverhalt, unbedingt berücksichtigt werden: Die Delta-Abweichung. Im Normalfall liegt das Delta eines Optionsscheines am Geld bei 0,5 (Call) bzw. -0,5 (Put). Durch den Einfluss der Volatilität gilt dieser Normalfall momentan nicht. Derzeit beträgt das Delta eines Call-Optionsscheines auf den DAX® am Geld zum Beispiel 0,55 und das Delta des Put-Optionsscheines -0,45.

Welche Auswirkung hat die Delta-Abweichung auf einen Straddle?

Die zu diesem Artikel gehörige Grafik zeigt das Ertragsprofil eines Straddles. Auf der linken Seite sehen Sie das Ertragsprofil unter normalen Marktbedingungen. Beide Optionsscheine werden am Geld gekauft. Das Delta weist den gleichen Betrag auf. Eine Kursbewegung im Basiswert führt dazu, dass es unter Einwirkung des Gamma auf das Delta zu einer gleichförmigen Überkompensation der Optionsscheinprämien kommt. Steigt der Kurs des Basiswertes sorgen Gamma und Delta dafür, dass die Optionsscheinprämie des Call-Optionsscheines zunehmend stärker steigt, während die Optionsscheinprämie des Put-Optionsscheines zunehmend geringer fällt. Fällt der Kurs des Basiswertes gilt gleicher Sachverhalt spiegelbildlich. Der zu Beginn am Geld gleiche Betrag des Delta sorgt für einen symmetrischen Verlauf des Ertragsprofiles.

Bedingt durch die Delta-Abweichung verhält sich das Ertragsprofil momentan nicht symmetrisch. Dies wird in der Grafik auf der rechten Seite dargestellt. Das Delta des Call-Optionsscheines ist 0,55, das Delta des Put-Optionsscheines ist -0,45. Die Delta-Abweichung führt zu zwei Effekten:

  • Steigt der Kurs des Basiswertes, führt dies zu einer schnelleren Überkompensation durch den Call-Optionsschein. Sein Delta ist bereits bei Eröffnung der Position stärker, als das Delta des Put-Optionsscheines.
  • Fällt der Kurs des Basiswertes verliert der Call-Optionsschein durch sein stärkeres Delta mehr, als der der Put-Optionsschein durch sein schwächeres Delta gewinnen kann. Der Straddle verliert zunächst an Wert, bis das Delta des Put-Optionsscheines das Delta des Call-Optionsscheines übersteigt und zu einer Überkompensation durch den Put-Optionsschein führt. 

Was sind die Konsequenzen für den Handel?

Dramatisch einschränken wird uns diese Situation nicht. Wir müssen nur noch etwas genauer hingucken als in normalen Marktphasen. Bei steigenden Kursen bietet das stärkere Delta des Call-Optionsscheines sogar einen Vorteil. Bei fallenden Kursen muss der Basiswert etwas stärker korrigieren als dies im Normalfall erforderlich wäre.

Das Delta ist ohnehin nur einer der treibenden Faktoren. Wie immer spielt auch die implizite Volatilität eine große Rolle. Fällt der Basiswert, nimmt die Volatilität gewöhnlich zu. Eine zunehmende Volatilität kann den Effekt durch die Delta-Abweichung kompensieren und zumindest dafür sorgen, dass der Straddle nicht signifikant in den Verlust läuft. Bestenfalls überwiegt der positive Einfluss des Vega den negativen Einfluss durch das starke Delta des Call-Optionsscheines und führt den Straddle zügig in den Gewinn.

Eine Positionierung ist derzeit vor allem an wichtigen Chart-Marken sinnvoll, wenn der Kurs ausreichend Bewegungsfreiheit in beide Richtungen hat und wenn die implizite Volatilität einen ausreichend niedrigen Wert aufweist. Ein solches Szenario bestmöglich abzupassen bedeutet etwas längere Wartezeiten. Insgesamt wird die derzeitige Situation die Performance-Erwartung etwas reduzieren, das Risiko erhöht sich aber nicht maßgeblich.

Gibt es alternative Verfahrensweisen?

Nein. Wer sich die Optionsscheine genauer anschaut, stellt fest, dass die Delta-Abweichung umso geringer ist, je kürzer die Restlaufzeit des Optionsscheines ist. Bei einer Restlaufzeit von zwei Wochen gibt es diese Abweichung nicht. Diese Kurzläufer bringen aber zu viel Risiko mit sich, um sie sicher kalkulieren zu können. Außerdem reduziert das Theta den Zeitwert dieser Optionsscheine übermäßig stark.

Dieses Risiko werden wir nicht eingehen. Wir bleiben exakt bei unserer Herangehensweise und nehmen zugunsten der Sicherheit eine etwas niedrigere Performance in Kauf.