Weiter auf Standby…

Seit dem letzten Blog-Eintrag sind schon wieder drei Wochen vergangen. Selbstverständlich haben wir auch während dieser Zeit die Märkte weiter im Auge behalten. Wenn Sie die zurückliegenden Einträge lesen, mag das den Eindruck erwecken, dass unsere „Schallplatte einen Sprung hat“ – aber es ist tatsächlich so: Neue Einstiege für profitable Straddles gibt es leider immer noch nicht. Damit Sie diese Aussage besser nachvollziehen können, gibt es heute eine erklärende Grafik.

Als Bild zu diesem Beitrag sehen Sie einen Chart von ThyssenKrupp auf der rechten Seite und die dazugehörigen Optionsscheine auf der Linken Seite. Unterhalb der beiden Optionsscheine sehen Sie als graue Linie die Wertentwicklung des Straddles. Der Wert ermittelt sich aus der Addition der Prämien des Call-Optionsscheines und des Put-Optionsscheines.

Für die Erläuterung der aktuellen Lage nehmen wir ein theoretisches Szenario an. Gehandelt wurde dieser Straddle nicht!

Der Einstieg

Mitte August setzt der Kurs des Basiswertes von 7,50 Euro auf 6,00 Euro zurück. Wir warten ein paar Tage, um die Reduzierung der impliziten Volatilität abzuwarten. Am 21. August entscheiden wir uns für den Einstieg nahe einem Kurs im Basiswert von 6,00 Euro. Wir kaufen 7.234 Call-Optionsscheine und die gleiche Anzahl Put-Optionsscheine. Die Gesamtinvestition beträgt rund 17.000 Euro, also etwa einem Sechstel des Depotwertes.

Das Ziel ist, von einer erneuten Aufwärtsbewegung oder von einer sich fortsetzenden Abwärtsbewegung zu profitieren.

Seitwärtsphase

Bis zum 11. September (Punkt 1) läuft der Kurs des Basiswertes seitwärts. Die Prämiensumme der beiden Optionsscheine betrug zum Einstieg 2,35 Euro. Der Einstieg erfolgte bei einem Kurs des Basiswertes von 6,12 Euro. Am 11. September schließt der Basiswert bei 5,85 Euro, also 4,4 % tiefer als zum Einstieg. Trotzdem liegt die Prämiensumme nur bei 2,29 Euro. Multipliziert mit der Stückzahl der Optionsscheine beträgt der Wert des Straddles jetzt nur noch 15.915 Euro. Geschuldet ist dies im Wesentlichen der weiter sinkenden impliziten Volatilität und dem Theta.

Durchbruch nach unten

Der Kurs entwickelt Dynamik und fällt weiter. Eigentlich sollte der Straddle sich jetzt positiv entwickeln. Macht er aber nicht. Woran liegt das? Der Hauptgrund ist, dass wir gegen ein „schiefes Delta“ kämpfen. Dieses ergibt sich daraus, dass bei einem Optionsschein am Geld das Delta in der aktuellen Marktphase nicht bei 0,50, bzw. -0,50 liegt. Ursächlich hierfür ist zum Teil die aktuell immer noch hohe implizite Volatilität. Die Optionsscheine, die wir bei einem Kurs des Basiswertes von 6,00 Euro mit einem Ausübungspreis von ebenfalls 6,00 Euro am Geld gekauft haben, weisen ein schiefes Delta auf: Der Call-Optionsschein hat ein Delta von 0,58 und der Put Optionsschein ein Delta von -0,42.

Welche Folgen hat das? Fällt der Kurs des Basiswertes, verliert der Call-Optionsschein über sein starkes Delta mehr Wert, als der Put-Optionsschein mit seinem schwachen Delta gewinnen kann.

Folgerichtig führt die weitere Kursentwicklung deshalb erst einmal nicht in den Gewinn, sondern noch weiter in den Verlust. Erst ab einem Kurs des Basiswertes von etwa 4,50 Euro Erreicht die Prämiensumme wieder den Einstandswert von 2,35 Euro. Der Basiswert ist zu diesem Zeitpunkt 26,5 % (!) gefallen. Erst ein weiterer Kursverfall bringt den Straddle in den Gewinn. Am 2. Oktober (Punkt 2) schließt der Basiswert bei 3,88 Euro, also 36,6 % tiefer als beim Aufbau des Straddles. Die Prämiensumme beträgt jetzt 2,59 Euro. Multipliziert mit der Stückzahl der Optionsscheine beträgt der Wert des Straddles jetzt 18.736 Euro.

Ausstieg verpasst?

Dann gibt´s ein Problem. Bereits am Schluss des Folgetages ist der Gewinn wieder abgeschmolzen. Noch einen Tag später steht der Straddle schon wieder im Verlust.

Fazit

Es erscheint wenig sinnvoll einen Straddle zu platzieren, wenn klar ist, dass eine Bewegung im Basiswert von mehr als 25 Prozent erforderlich ist, um den Straddle in den Gewinn zu führen und wenn ebenfalls klar ist, dass jedes andere Szenario in den Verlust führt.

Es hilft leider auch nur bedingt weiter, den Ausübungspreis der Optionsscheine so zu verschieben, dass die Optionsscheine ein Delta von 0,50, bzw. -0,50 aufweisen. Das ist zwar möglich, löst das Problem aber nicht. Denn neben dem Delta ist auch das Gamma entscheidend. Die Verschiebung des Ausübungspreises führt dazu, dass der Call-Optionsschein aus dem Geld und der Put-Optionsschein im Geld liegt, da der Ausübungspreis oberhalb des aktuellen Kurses des Basiswertes liegen muss. Die Lage eines Optionsscheines beeinflusst neben dem Delta auch das Gamma. Beide Werte sind für die synchrone Entwicklung der beiden Optionsscheine eines Straddles entscheidend.

Ist ein Kauf der Optionsscheine am Geld mit einem Delta von 0,50, bzw. -0,50 nicht möglich, gibt es keine Synchronizität, da diese entweder durch das „schiefe Delta“ gestört wird oder, bei einer Verschiebung des Ausübungspreises zugunsten des Deltas, durch ein nicht mehr passendes Gamma.

Wir werden also weiter abwarten müssen…

Es wird besser – aber es ist noch nicht gut.

Seit Ende Juli sind wir mit unserer Strategie Long Straddle Warrants „offline“. Regelmäßig prüfen wir die Marktbedingungen für eine Wiederaufnahme des Handels. Hier die aktuellen Erkenntnisse.

Wie ist die aktuelle Lage?

Die Überschrift zu diesem Artikel sagt eigentlich alles: Es wird besser – aber es ist noch nicht gut. Was bedeutet das bei genauerer Betrachtung? Einige Titel, vor allem die größeren Unternehmen, die auch vor dem Crash schon deutlich weniger volatil waren, beruhigen sich zunehmend. Gleiches ist auch bei den etwas volatileren und deshalb für den Straddle interessanteren Titeln zu beobachten. Die Richtung passt schon mal, das Ziel ist aber noch nicht erreicht.

Verallgemeinern kann man die Aussage jedoch nicht. Es ist zwar korrekt, dass die Volatilität bei vielen Titeln zurück geht, nicht aber bei allen. Auch die Delta-Abweichung der Optionsscheine am Geld verringert sich – aber ebenfalls nicht flächendeckend. Nach wie vor finden sich auch nicht immer gleichzeitig passende Optionsscheine auf der Call- und auf der Put-Seite, aus denen sich ein Straddle konstruieren lässt. 

Was bedeutet das für den Handel?

Die Rahmenbedingungen sind leider immer noch nicht geeignet, den Handel wieder in der alten und bewährten Form aufzunehmen. Durch die langsame aber durchaus positive Entwicklung zeigt sich aber etwas Licht am Horizont. Es ist schwer einzuschätzen, wann es wieder möglich sein wird Straddles zu handeln, die mit einem angemessenen Chance-Risiko-Profil ausgestattet sind. Wir müssen leider davon ausgehen, dass die Chancen hierfür bis Ende des Jahres eher schlecht stehen. Vielleicht bietet sich die eine oder andere Ausnahme, versprechen können wir das aber leider nicht. Eines können wir versprechen: Wir werden nicht „mit der Brechstange“ arbeiten!

Langeweile – Nein danke!

Was macht man, wenn der Markt einem so nachhaltig „in die Suppe spuckt“? Man könnte jammern und über die Ungerechtigkeit des Universums philosophieren. Oder man könnte das Positive an der Situation suchen und die Zwangspause für einen ausgedehnten Urlaub nutzen.

Jammern bringt nichts und Urlaub wird schnell langweilig. Also machen wir das, was wir am besten können: Wir krempeln die Ärmel hoch und suchen nach Anpassungsmöglichkeiten, Ergänzungen und vor allem nach tragfähigen Lösungen.

Vor fünf Wochen setzten wir erstmals ein rudimentäres Setup auf, welches uns in die Lage versetzen sollte, auch dann aktiv handeln zu können, wenn Long Straddle Warrants pausieren muss. Seit dem ersten Probelauf feilen wir noch an der einen oder anderen Ecke.

Die Vorteile dieses Handelsansatzes liegen aber bereits jetzt auf der Hand: Er muss weniger präzise sein. Das bedeutet zum Beispiel, dass Optionsscheine nicht unbedingt möglichst exakt am Geld, zum gleichen Ausübungspreis und mit einem passenden Delta erworben werden müssen. Mehr Flexibilität in diesem Bereich führt dazu, dass der Spread und die Volatilität eines Optionsscheines durch die freie Wahl der Lage des Optionsscheines (im Geld, am Geld, aus dem Geld) angepasst werden können. Wie bei einem Straddle, wird auch bei diesem Handelsansatz eine Absicherung vorgenommen – allerdings nicht mehr bezogen auf den Einzeltitel, sondern übergeordnet bezogen auf das Depot.

Umgehend aber nicht unüberlegt!

Als wir Ende Juli den letzten  Straddle glattstellten, war uns sehr schnell klar, dass wir hier mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ein größeres Problem zusteuern. Deshalb dauerte es es auch nur zwei Wochen, bis wir eine Möglichkeit ausgearbeitet hatten, die Funktionsweise des Straddles auf den aktuellen Markt zu adaptieren. Der umgehende Start und die hohe Handelsfrequenz versetzen uns in die komfortable Lage, dass wir bereits heute 43 gehandelte Positionen auswerten können.

EURO STOXX 50® (unten), DAX® (Mitte), wikifolio (oben)


Mit den bisherigen Ergebnissen sind wir sehr zufrieden. Den EURO STOXX 50® und den DAX® konnten wir in diesem Zeitraum schlagen. Das Depotkapital wurde allerdings nur zu etwa einem Viertel eingesetzt.

Aktuell sind wir seit gestern im Cash und werden auch vor dem großen Verfallstag am Freitag keine Position mehr eröffnen. Am Wochenende werden noch ein paar Werkzeuge zur Unterstützung beim Detektieren geeigneter Titel programmiert. Ab Montag geht es dann in eine finale Erprobungsphase, in die noch einige Überlegungen bei der Auswahl der Titel einfließen werden und die uns Ergebnisse zu einer besseren Ausnutzung des freien Depotkapitals liefern soll. Diese Phase wird vermutlich Anfang Oktober abgeschlossen sein. Anschließend werden wir dass wikifolio öffentlich zugänglich machen und die Emission beantragen.

Demnächst sollte es dann neben Long Straddle Warrants eine zweite Strategie geben. Bisher galt immer „Wir machen uns unabhängig von der Marktrichtung“. Jetzt setzen wir noch einen oben drauf und machen uns unabhängig vom Markt. Alles was wir dann noch brauchen sind einfach nur Optionsscheine. Die wird hoffentlich niemand verbieten. Wenn das passieren sollte, denken wir vielleicht doch mal über die Ungerechtigkeit des Universums nach. Aber nur für ein paar Millisekunden…dann werden wieder die Ärmel hochgekrempelt.

 

Update: Weiterhin „Schleudergefahr“!

Mehr als zwei Wochen sind seit unserem letzten Blog-Eintrag vergangen. Für uns, die wir täglich die Märkte beobachten und endlich wieder vom Beobachter zum Akteur werden wollen, fühlt sich das sehr lange an. Für den Markt ist es nur eine Findungsphase mit einer Schwankungsbreite von etwa 500 Punkten im DAX®. Immer noch gilt: Blinder Aktionismus ist fehl am Platz. Geduld ist gefragt!

In unserem letzten Beitrag berichteten wir über eine mögliche Anpassung der Strategie. Als Basis wurden hier Intraday-Zeiträume betrachtet und Anomalien bei der impliziten Volatilität beobachtet. Bisher liefern unsere Beobachtungen zwei Erkenntnisse. Erkenntnis Nr. 1: Ja, es gibt diese Anomalien und sie lassen sich recht sauber filtern und erkennen. Erkenntnis Nr. 2: Sie sind sehr kurzlebig.

Gerade letzteres erfordert für einen profitablen Handel einen nahezu perfekten Einstieg und einen ebenso nahezu perfekten Ausstieg. Das Gewinnziel einer solchen Position liegt selbst unter optimalen Bedingungen nur bei wenigen hundert Euro. Das Risiko hat jedoch die selbe Größe wie immer. Wird der Ausstieg verpasst, wird nicht nur der kleine Gewinn wieder abgegeben. Die Position läuft auch schnell wieder in den Verlust. Ob sie sich daraus wieder erholt, ist oft fraglich.

Perfekte Ein- und Ausstiege sind nicht konsistent und beinhalten immer auch eine „Glückskomponente“. Wer schon einmal an den Kapitalmärkten gehandelt hat, weiß das. Sollte einer der Leser dieses Beitrages es geschafft haben, 100 mal in Folge eine Aktie zum absoluten Tiefstkurs gekauft und zum absoluten Höchstkurs verkauft zu haben, so bitten wir dringend um Kontaktaufnahme…

Spaß beiseite: Wenn perfekte Ein- und Ausstiege kaum möglich sind, der angepeilte Gewinn stark limitiert ist und das Risiko im Verhältnis zum Gewinn größer ist als sonst, dann sieht das nicht nach einer vorteilhaften Situation aus. Die logische Konsequenz daraus ist, dass wir hiervon die Finger lassen.

Wie sieht’s also aus?

Wir müssen Ihnen und uns leider noch eine weitere Wartezeit zumuten. An der Gesamtsituation hat sich noch nicht viel geändert – wie schon gesagt, zwei Wochen sind für den Kapitalmarkt nicht viel Zeit. Im DAX® lassen sich aktuell keine Straddles mehr platzieren. Die Schwankungsbreite ist zu niedrig und die implizite Volatilität wird reduziert.

Für die Einzeltitel ist es nach wie vor zu früh. Eine Reduzierung der impliziten Volatilität ist auch hier zu beobachten. Das ist für uns allerdings positiv. Da die implizite Volatilität nur auf eine Mindestmaß fallen kann, können wir bei Erreichen dieses Mindestmaßes wieder Straddles positionieren. Die Entwicklung ist hier auf einem guten Weg. Aber auch das kann noch eine Weile dauern.

Mehr Auswahl, mehr Chancen!

Während des Wartens auf „Bessere Zeiten“ waren wir selbstverständlich nicht untätig. Bisher haben wir für unsere Straddles lediglich die DAX®-Werte beobachtet. Solange man aus dem Vollen schöpfen kann, reichen diese 30 Titel aus. Da sich die Optionsscheine auf diese Einzeltitel sehr unterschiedlich entwickeln, insbesondere was die implizite Volatilität und die Spreads betrifft, werden wahrscheinlich nicht alle 30 Titel zeitgleich wieder zu interessanten Kandidaten. Es erschien uns deshalb sinnvoll die „Pausenzeit“ dafür zu nutzen unsere Basis zu verbreitern.

Wir haben uns den CDAX®, den EURO STOXX 50® und den S&P 500® angeschaut. Im CDAX® sind alle Titel enthalten, die an der Frankfurter Börse im Prime Standard oder im General Standard gelistet sind. Der EURO STOXX 50® umfasst die 50 größten Unternehmen aus dem europäischen Wirtschaftsraum. Im S&P 500® sind die Aktien der 500 größten US-Unternehmen gelistet.

Leider gibt es bei den Emittenten, deren Produkte für unser wikifolio genutzt werden können, nicht für jedes der Unternehmen passende Optionsscheine. Anstatt der bisherigen 30 Unternehmen beobachten wir jetzt aber mehr als 300 Unternehmen. Die Auswertung der Daten in einem solchen Umfang ist nur durch den Einsatz unserer selbst geschaffenen Scanner-Technologie möglich. Neben der technischen Komponente ist auch der Weg der Informationsbeschaffung wichtig. Auch hier haben wir, gerade mit Blick auf die US-Titel, weitere Quellen erschlossen.

Wie geht’s weiter?

Momentan ist der Markt aus unserer Sicht noch nicht wieder in „Straddle-Verfassung“. Verfrühte Einstiege bringen immer noch Gefahr mit sich. Mehr Titel unter Beobachtung bedeuten aber mehr mögliche zukünftige Chancen. Wir setzen also nicht auf höheres Risiko, sondern auf eine breitere Basis.

Wir werden den Markt weiterhin täglich im Auge behalten und hoffen bald wieder den einen oder anderen Einzeltitel handeln zu können.

Alles richtig gemacht!

Am 24. Juli haben wir uns entschieden die DAX®-Straddles glattzustellen. Grund hierfür war die Begrenzung des Risikos. Heute, knapp zwei Wochen später, überprüfen wir unsere Entscheidung. Das Ergebnis ist eindeutig: Alles richtig gemacht!

Seit Anfang Juni bewegt sich der Dax® in einer Seitwärtsphase. Das bedeutet, dass das Volatilitätsrisiko für die Emittenten von Optionsscheinen geringer wird. Die Reduzierung der impliziten Volatilität wirkt sich durch das Vega auf die Optionsscheinprämien aus und führt zu einer Verbilligung der Optionsscheine. Seit der Glattstellung am 24. Juli hätten unsere Straddles an Wert verloren und den Depotwert um weitere fast fünf Prozent reduziert. Diesen zusätzlichen Verlust haben wir uns und Ihnen erspart.

An dieser Stelle möchten wir noch einmal die Gelegenheit nutzen, Ihnen einen Überblick über die aktuelle Marktsituation und über unsere weitere geplante Vorgehensweise zu geben.

Was ist der „Normalzustand“?

Normalerweise folgt die Beziehung zwischen einem Basiswert und einem Optionsschein klaren Regeln: Ein Optionsschein am Geld hat ein Delta von nahezu +0,50 bzw. -0,50. Ändert sich die implizite Volatilität, wirkt sich das auf beide Optionsscheine eines Straddles annähernd gleich aus. Dieser Normalzustand herrschte vor dem Crash.

Straddles auf wenig volatile Indizes waren in dieser Phase eher uninteressant, Straddles auf einzelne Aktientitel waren insbesondere vor der Bekanntgabe von Unternehmensnachrichten sehr interessant.

Was hat sich durch den Crash geändert?

Der Crash brachte einige Veränderungen mit sich, deren Folgen wir auch jetzt noch spüren. Die implizite Volatilität erhöhte sich schlagartig, sowohl in den Indizes, wie auch in den Einzeltiteln. Hiermit einher ging eine Verschiebung des Deltas. Ein Call-Optionsschein am Geld hatte kein Delta von 0,50, sondern ein Delta von zum Beispiel 0,56. Der Put-Optionsschein wies zeitgleich ein Delta von zum Beispiel -0,44 auf. Diese Delta-Verschiebung führte dazu, dass ein Straddle sich bei einem steigenden Kurs des Basiswertes, bedingt durch die Überkompensation des Call-Deltas, sofort in den Gewinn bewegt, während bei einem fallenden Kurs erst einmal ein Verlust entsteht.

Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn in einer Aufwärtsbewegung des Basiswertes wurde die Volatilität deutlich zurückgenommen, was einen Gewinn des Straddles zunächst verhinderte. Eine weitere Besonderheit stellte die oft völlig unterschiedliche Anpassung der Volatilität dar. So wurde bei einer Abwärtsbewegung des Basiswertes oft die implizite Volatilität des Put-Optionsscheines erhöht, während die implizite Volatilität des Call-Optionsscheines verringert wurde. In Summe stieg die Volatilität also nicht oder nur geringfügig an und es gelang nur selten eine Überkompensation des negativen Delta-Effektes.

Der allgemeine, massive Anstieg der impliziten Volatilität führte dazu, dass Straddles auf Einzeltitel kaum noch handelbar waren. Das Risiko, durch eine Rücknahme der Volatilität deutlich in den Verlust zu rutschen, war zu groß. Hinzu kam, dass vor allem auf der Put-Seite nur wenige neue Optionsscheine emittiert wurden und dass die Spreads der verfügbaren Optionsscheine auf Einzeltitel deutlich erhöht wurden und so den Einstieg ohnehin sehr unattraktiv machten. Allein für die Kompensation des Spreads wäre eine Bewegung des Basiswertes erforderlich gewesen, die unter normalen Bedingungen bereits ausgereicht hätte, um den Straddle Richtung Glattstellung im Gewinn zu führen.

Der Anstieg der impliziten Volatilität entsteht durch den Anstieg der erwarteten Schwankungsbreite des Kurses des Basiswertes. Vor dem Crash war die Schwankungsbreite der Indizes zu gering, um hier einen profitablen Straddle platzieren zu können, da eine Delta-Überkompensation nur schwer zu erzielen war. Dies hat sich durch den Crash geändert. Durch die jetzt höhere Schwankungsbreite konnten auch Straddles auf Indizes von der Delta-Überkompensation profitieren. Die Spreads bei den Indizes blieben niedrig und das Angebot an Optionsscheinen blieb konstant. Dies ermöglichte es uns jetzt auch Straddles auf Indizes zu platzieren.

Wie ist die aktuelle Lage?

Der Markt bewegt sich wieder in Richtung Normalzustand. Die implizite Volatilität geht zurück – dies veranlasste uns auch zu der folgerichtigen Entscheidung unsere offenen Straddles zu schließen.

Einerseits ist das gut, da wir damit auch in absehbarer Zeit wieder die Chance haben Straddles auf Einzeltitel zu platzieren, die deutlich profitabler sind als Straddles auf Indizes, was daran liegt, dass in normalen Marktphasen die Grundvolatilität von Einzeltiteln oft höher ist, als die Volatilität der Indizes. Andererseits bewegen wir uns auf dem Weg in die Normalität aktuell durch ein sehr unbefriedigendes Marktumfeld. Mittelfristige Straddles auf Indizes sind kaum noch lohnend, da die Bewegung für einen Gewinn durch eine Delta-Überkompensation zu gering ist und die implizite Volatilität derzeit täglich abgebaut wird.

Die implizite Volatilität der Einzeltitel ist zwar gesunken aber bei den meisten Titeln immer noch zu hoch. Gleiches gilt für die Spreads der Optionsscheine auf die Einzeltitel. Während wir also von den Indizes immer mehr die Finger lassen, können wir die Einzeltitel noch nicht so recht greifen.

Muss die Strategie angepasst werden?

Selbstverständlich gibt es immer Möglichkeiten eine Strategie anzupassen. Wichtig: Nicht falsch verstehen! Anpassen heißt nicht ändern! Zurzeit schauen wir uns zum Beispiel die Delta-Abweichung sehr genau an. Diese kann durch die Wahl eines anderen Ausübungspreises sehr einfach eliminiert werden. Damit wäre zumindest die Delta-neutrale Positionierung wieder sichergestellt. Etwas schwerer ist es bei der impliziten Volatilität. Durch die unterschiedliche Anpassung der Volatilität der beiden Optionsscheine eines Straddles, muss diese immer in Summe und nicht einzeln betrachtet werden. Hierfür haben wir ein Werkzeug geschaffen, welches den Delta-bereinigten Effekt der impliziten Volatilität in Echtzeit und in Verbindung mit der Kursstellung durch den Emittenten eindeutig ausweist. Für eine Betrachtung auf Basis von Tagesschlusskursen ist dieses Werkzeug nur bedingt tauglich. Interessante Anomalien ergeben sich aber gelegentlich innerhalb eines Handelstages, wenn der Emittent zum Beispiel bei der Reduzierung der impliziten Volatilität etwas zu „übermütig“ war. Diese Anomalien werden von uns vollautomatisch erkannt und ausgewertet. Auch wenn sie recht selten vorkommen und die Gewinnziele deutlich geringer sind, bietet sich so eine Chance, in dieser recht ereignislosen Marktphase zumindest gelegentlich noch einen Straddle positionieren zu können.

Wir haben also durchaus Ergänzungen der Strategie hinzugefügt. An der Grundlogik ändert sich aber nichts. Wir wissen, dass die Strategie funktioniert und müssen diese „Saure-Gurken-Zeit“ nun einfach bestmöglich hinter uns bringen.

Und die Perspektive?

Wie schon erwähnt, bewegt sich der Markt wieder in die richtige Richtung. Die implizite Volatilität sinkt auf breiter Front, die Spreads normalisieren sich hier und da schon wieder, die Delta-Verschiebung reduziert sich ebenfalls und die Emittenten trauen sich auch wieder einige neue Optionsscheine, vor allem auf der Put-Seite mit akzeptablen Bedingungen, zu emittieren.

Das bedeutet nicht, dass innerhalb kurzer Zeit alles wieder vollkommen normal läuft. Aber uns bietet sich die Möglichkeit von Woche zu Woche mehr interessante Titel auf die Beobachtungsliste zu setzen. Wann wir wieder in den ursprünglichen Modus gelangen ist noch unklar. Der Weg dahin scheint aber schon mal eingeschlagen zu sein. Geduld ist besser als Risiko. Und Cash macht auch kein Minus.

24.07.2020 | Glattstellung zur Risikobegrenzung

Heute haben wir alle Positionen aus dem Markt genommen. Zu viele gegenläufige Kräfte treiben aktuell den Markt. Eine klare Bewegung in die eine oder andere Richtung lässt sich hieraus nicht ableiten.

Ein Straddle lebt von der Bewegung nach oben oder nach unten. Seitwärtsphasen über mehrere Wochen kosten Geld, da der Straddle täglich an Wert verliert. Verursacht wird dies durch das Theta und durch eine sinkende implizite Volatilität.

Wenn keine Besserung zu erwarten ist, müssen Entscheidungen getroffen werden. Das haben wir heute getan. Wir haben uns von unseren offenen Positionen verabschiedet. Zwei der Positionen standen bei der Glattstellung im Verlust, eine Position, die wir gestern noch platziert haben, konnte einen Gewinn erzielen.

Das Video zu diesem Beitrag erläutert die Hintergründe unserer Entscheidung und beleuchtet nicht nur die Chancen eines Straddles, sondern auch die Risiken und unsere Art mit diesen Risiken umzugehen.