26.05.2020 | DAX® 30 (10.600)

Nach 14 Handelstagen haben wir heute unseren DAX-Straddle aus dem Markt genommen. Er war nicht der schönste, schnellste und beste Straddle aber er war mal wieder erfolgreich!

Unser Augenmerk lag heute auf der Schließung der Kurslücke vom 6. März. Auch wenn momentan die Stimmung am Markt etwas besser wird und die asiatischen Börsen heute bereits gute Zahlen geliefert haben, erfolgen an solchen Marken oft Gewinnmitnahmen. Selbst wenn diese vorerst ausbleiben und der Basiswert in eine Seitwärtsbewegung übergeht, ist das schlecht für den Straddle, da die implizite Volatilität fallen wird. Wir entziehen uns aller weiteren Spekulationen und stellen den Straddle glatt. Das Investment erwirtschaftet 4,95 % Gewinn.

Wie bereits angekündigt stellen wir ab sofort zu einigen Positionen auch eine Video-Dokumentation zur Verfügung. Der Verlauf dieses Straddles zeigt noch einmal ganz klar die Wirkungsweise der einzelnen Optionsscheine und zeigt die Vorteile gegenüber einem Aktieninvestment oder einem ETF auf. Viel Spaß beim Schauen!

Hinweise zu Video-Dokumentation

Zukünftig werden wir einige Positionen nicht nur mit Bild und Wort dokumentieren, sondern Ihnen darüber hinaus auch eine Video-Dokumentation anbieten.

Als Einstieg für alle weiteren Videos erläutern wir Ihnen in diesem ersten Video den Aufbau unserer Charts. Schauen Sie sich dieses Video an, es gibt Ihnen das erforderliche Verständnis für die zukünftigen Video-Dokumentationen an die Hand.

Zwischenstand und Analyse

Am 7. Mai positionierten wir bei 10.632 Punkten im DAX® einem Straddle mit einem Ausübungspreis von 10.600 Punkten. Die Position entwickelt sich nicht wunschgemäß. Bisher hatten wir nur Gewinne zu vermelden. Dieser Straddle bietet uns die Möglichkeit, Ihnen die Analyse einer Situation an die Hand zu geben,  in der nicht alles optimal verläuft.

Ein möglicher Einstieg bot sich bereits gegen Ende des Handelstages am 4. Mai. Nach der, an den beiden Tagen zuvor, recht dynamischen Abwärtsbewegung, war davon auszugehen, dass die implizite Volatilität zum Zeitpunkt des möglichen Einstieges noch zu hoch war. Würde der Kurs sich weiter seitwärts bewegen, würde die Volatilität noch fallen, die Prämien der Optionsscheine verringern und den Einstig günstiger machen.

Genau dieses Szenario trat ein. Auf der linken Seite der Abbildung sehen Sie ganz unten ein Balkendiagramm. Die blauen Balken zeigen den Gewinn oder Verlust der Summe der Optionsscheinprämien im Bezug zum Schluss-Wert des Vortages. Die Summe der Prämien,  beträgt am 4. Mai zum Handelsschluss 19,71 Euro. Am 5. Mai sinkt die Prämiensumme um 0,47 Euro und am 6. Mai erneut um 0,29 Euro. Sie reduziert sich innerhalb dieser zwei Tage also um 0,76 Euro. Da wir erst am 7. Mai den Straddle positionieren, ersparen wir uns einen Wertverlust von rund 680 Euro im Vergleich zu dem möglichen Einstieg am 4. Mai.

Am Tag der Positionierung fällt der Straddle noch einmal im Wert. Der Verlust ist aber deutlich geringer als an den Vortagen. Auch das können Sie in dem Balkendiagramm erkennen. Am Folgetag kann sogar ein Teil des Verlustes wieder eingeholt werden, der Straddle ist auf einem guten Weg.

Zwei Handelstage nach der Eröffnung der Position, am 11. Mai, reduziert sich der Wert unseres Straddles. Was ist hier passiert? Zwei Dinge tragen zu dem Rücksetzer bei: Das starke Delta des Call-Optionsscheines und ein starker Rückgang der impliziten Volatilität.

Zunächst zum Delta des Call-Optionsscheines: Bei einem Stand des DAX® von rund 11.000 Punkten befindet sich der Call-Optionsschein bereits im Geld. Optionsscheine im Geld weisen ein stärkeres Delta auf, als Optionsscheine, die aus dem Geld sind. Das bedeutet, dass der Kursrücksetzer im DAX® über das starke Delta des Call-Optionsscheines dessen Prämie stark negativ beeinflusst, während der Put-Optionsschein durch sein schwächeres Delta eine nur geringe positive Veränderung erfährt. Verschärft wird dieser Effekt zusätzlich dadurch, dass momentan, bei einem Einstieg am Ausübungspreis, das Delta von dem „normalen“ Wert von 0.50, bzw. -0,50 abweicht. Lesen Sie hierzu unseren Artikel zur Delta-Abweichung.

Jetzt zur impliziten Volatilität: Dieser Sachverhalt ist einfach beschrieben. Sinkt die implizite Volatilität, reduziert sich die Optionsscheinprämie. Genau das ist hier passiert. In der Vergangenheit veränderte sich die implizite Volatilität oft nahezu identisch für Call- und Put-Optionsscheine. In der aktuellen Marktphase ist zu beobachten, dass die implizite Volatilität isoliert pro Optionsschein verändert wird. So kann es passieren, dass der Call-Optionsschein 2 % Volatilität verliert, während der Put-Optionsschein nahezu unverändert bleibt.

Auf den ersten Blick scheint dies kein Nachteil zu sein – wäre es für den Straddle doch deutlich schlechter, wenn beide Optionsscheine Volatilität verlieren würden. Das ist jedoch etwas zu kurz gedacht. Die getrennte Veränderung der Volatilität kann ein deutlicher Nachteil sein. Würde zum Beispiel die Volatilität des einen Scheines steigen, während die des anderen Scheines um den selben Wert fällt, würde sich die Auswirkung der Volatilität über ein angenommen identisches Vega auf die Optionsscheinprämien gegenseitig aufheben. Der Straddle würde von der Veränderung der Volatilität nicht profitieren können.

Auch wenn die geniale Einfachheit eines Straddles den einen oder anderen Händler zu der Ansicht verleitet, dass der Straddle eine „eingebaute Gewinngarantie“ hat – Das ist nicht so! Auch bei einem Straddle ist Expertise gefragt. Und selbst wenn diese vorhanden ist, schützt das nicht vor einzelnen Verlusten.

Wie verfahren wir weiter? Wir lassen die Position im Markt. Es ist gut möglich, dass der Straddle noch etwas weiter abtaucht. Aktuell steht er bei etwa -1 % bezogen auf den Depotwert. Selbst wenn sich dieser Verlust noch auf zwei oder drei Prozent ausweitet, ist das kein Problem. Aktiendepots haben in den letzten Monaten nicht selten bis zu 40 % verloren. Die Laufzeit der Optionsscheine ist noch sehr lang. Selbst vor dem Hintergrund, dass diese wegen des zunehmenden Theta spätestens drei Monate vor dem Ausübungstag verkauft werden sollten, haben wir bis August Zeit. Setzt der DAX® bis dahin seine Aufwärtsbewegung fort, wird der Straddle seine aktuellen Verluste wieder abbauen. Was aber viel wichtiger ist: Gibt es doch noch eine zweite Abwärtswelle, werden wir, im Gegensatz zu einem Aktiendepot, auch hiervon profitieren.

Das Glattstellen der Position ist derzeit nicht sinnvoll, weil wir dann von einer zukünftigen Bewegung nicht profitieren könnten. Unterstellen wir eine zunächst weiter fallende implizite Volatilität, würde jeder neu positionierte Straddle auch erst einmal an Wert verlieren. An der aktuellen Situation würde sich also nichts ändern.

Es ist alles so wie immer. Auch wenn der Start dieses Straddles etwas „verpatzt“ ist, ändert das nichts daran, dass wir von einer ausreichend großen Aufwärts- oder Abwärtsbewegung des Basiswertes zukünftig profitieren werden. Mit weiteren Positionierungen werden wir uns erst einmal zurückhalten. Eventuelle Marken hierfür sind 11.500 Punkte oder knapp ober halb 10.000 Punkte.

Wir schauen nicht einfach nur zu. Wir bewerten die Lage täglich neu und treffen Entscheidungen. Manchmal lautet die Entscheidung, keine weitere Entscheidung treffen zu müssen. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

04.05.2020 | DAX® 30 (11.200)

Am 30. April positionierten wir uns mit einem Straddle auf den DAX®. Der Ausübungspreis lag bei 11.200 Punkten. Bereits am Tag der Positionierung erfolgte eine deutlicher Kursrücksetzer. Dieser setzte sich in der DB-Indikation des DAX® am 1. Mai fort. Folglich eröffnete der DAX® am Montag schwächer.

Wir konnten in den ersten Stunden des Handels eine höhere implizite Volatilität, insbesondere bei dem Put-Optionsschein beobachten. Nachdem der Kurs sich zu fangen schien, ging die Volatilität wieder zurück.

Die Volatilität hat Einfluss auf das Delta. Durch den Anstieg erhöhte sie zunächst das Delta des Put-Optionsscheines. Obwohl dieser schon weit im Geld war, wies er immer noch ein verhältnismäßig hohes Delta von -0,49 auf. Die Volatilität sorgte für einen Anstieg der Optionsscheinprämie und führte den Straddle in den Gewinn. Eine Überkompensation bei weiteren Verlusten im DAX® würde angesichts des geringen Deltas aber eher mager ausfallen.

Kurze Zeit später sank die Volatilität des Put-Optionsscheines wieder. Hierdurch reduzierte sich das Delta auf -0,56. Zur gleichen Zeit wies der Call-Optionsschein ein Delta von 0,43 auf.

An dieser Stelle galt es eine Entscheidung zu treffen, da jetzt zwei Szenarien möglich waren: Der DAX® konsolidiert und steigt weiter oder er fällt erneut zurück. Bei einem Ansteigen würden wir aufgrund der jetzt wieder vorliegenden Überkompensation durch das Delta des Put-Optionsscheines unsere Gewinne sehr schnell wieder abgeben. Würde der DAX® weiter fallen, würde dieselbe Überkompensation zu einem zügig steigenden Gewinn führen.

Merken Sie etwas? Hier ist eine klare Marktmeinung gefragt und das „Spiel“ heißt doppelt oder nichts.

Da wir nie mit Sicherheit sagen können, mit was uns der Markt als nächstes überrascht und da wir auch keine Spieler sind, bleibt nur eine mögliche Entscheidung: Wir bedanken uns für 3,67 % Gewinn und stellen die Position glatt. Das Zertifikat gewinnt 0,65 Euro an Wert.

Ein DAX®-ETF hätte übrigens im gleichen Zeitraum mehr als 6 % verloren. Szenarien wie dieses verdeutlichen den Mehrwert eines Straddles: Durch die besondere Konstellation von Call-Optionsscheinen und Put-Optionsscheinen, verhindert er nicht nur einen Verlust. Er führt bei Kursverlusten im Basiswert sogar zu einem Gewinn. Im Gegensatz zu einer reinen Absicherungsposition in einem Aktiendepot, führt er aber auch in den Gewinn, wenn der Kurs des Basiswertes weiter steigt.

30.04.2020 | DAX® 30 (10.800)

Die zweite Position, bei der wir heute einen Gewinn realisiert haben, platzierten wir vor zwei Tagen, am 28.April. Durch die Glattstellung realisieren wir den Buchgewinn und vermeiden, dass der bisher erzielte Gewinn wieder abgegeben wird.

Positioniert haben wir uns bei 10.810 Punkten im DAX®. Im Artikel zum ebenfalls heute glattgestellten 10.600er Straddle haben wir bereits die weiter fallende Volatilität beschrieben. Was dort zu einem temporären Verlust führte, ermöglichte uns für den Straddle bei 10.810 Punkten einen günstigeren Einkauf. Denn auch die beiden, für diesen Straddle verwendeten, Optionsscheine hatten am Tag vor unserem Kauf durch die fallende Volatilität an Wert verloren.

Der DAX setzte seine Reise nach oben fort. Die Bewegung am 29. April führte nach Handelsschluss bis über 11.200 Punkte. Auch wenn für das Schließen der Kurslücke vom 9. März noch eine weitere Bewegung von rund 250 Punkten denkbar gewesen wäre, entstehen nach einer solchen Bewegung oft erst einmal Risiken. Im besten Fall tritt nur eine Verschnaufpause ein. Das kostet etwas Volatilität und baut ein wenig von den bereits erzielten Gewinnen ab.

Schlimmer kommt es, wenn ein Rücksetzer erfolgt, der den Kurs des Basiswertes bis zum Einstiegsniveau herunter drückt aber dann nicht genug Kraft hat weiteren Abwärtsdruck aufzubauen. Für unseren Straddle heißt das: Ein Rücksetzer auf 10.800 Punkte lässt uns alle Gewinne wieder abgeben. Um wieder nennenswert in den Gewinn zu kommen, müsste der Kurs weitere 400 bis 500 Punkte fallen. Fällt der Kurs nicht weiter und dreht er an der 10.800 wieder nach oben, dann ist für das spätere Erreichen der jetzt bereits erzielten Gewinne wahrscheinlich eine höhere Marke als 11.200 Punkte erforderlich.

Die Laufzeit der Optionsscheine würde dieses ohne Probleme zulassen. Auch wenn wir überwiegend kurzfristig im Markt sind, sind wir durch die lange Laufzeit sehr gut abgesichert, falls uns ein solches Szenario einmal unbeabsichtigt trifft oder eine Fehleinschätzung dazu führt.

In diesem Fall haben wir die Chance genutzt und die Gewinne mitgenommen. Es kann sein, dass wir im Nachhinein feststellen müssen, dass es besser gewesen wäre noch eine Weile im Markt zu bleiben, um von eventuell weiter steigenden Kursen zu profitieren. Hierfür gibt es aber eine viel elegantere Lösung: Anstatt einfach im Markt zu bleiben und der Hoffnung auf weiter steigende Kurse die bereits erzielten Gewinne möglicherweise zu opfern, wird der erzielte Buchgewinn realisiert. Gleichzeitig positionieren wir uns mit einem neuen Straddle auf einem höheren Niveau bei 11.200 Punkten.

Was erreichen wir dadurch? Läuft der Kurs abwärts, verliert der neue Straddle aufgrund der aktuellen Delta-Abweichung zunächst etwas an Wert. Wegen des höheren Einstiegs-Niveaus läuft er aber auf dem Weg nach unten deutlich eher in den Gewinn als der 10.800er Straddle. Läuft der Kurs weiter aufwärts, erwirtschaftet der 11.200er Straddle zwar erst einmal weniger Gewinn als der bestehende 10.800er Straddle – aber er erwirtschaftet einen Gewinn. Diese Maßnahme profitiert also von einer weiterhin positiven Kursentwicklung, erhöht die Chance auf Gewinne bei einer Kursänderung nach unten und sichert gleichzeitig den bereits entstandenen Gewinn!

Doch jetzt zurück zum glattgestellten Straddle: Ein weiteres Risiko entsteht, wenn der Kurs nach Handelsschluss weiter nach oben drückt. Das war gestern der Fall. Bei Handelsschluss stand der DAX® bei 10.107 Punkten. Bis zum Ende der Indikation des DAX® durch die Deutsche Bank (DB-DAX) legte er auf 11.239 Punkte zu. Eröffnet der Markt am nächsten Tag auf diesem Niveau, kann es zu Gewinnmitnahmen kommen. Diese können den Kurs erst einmal wieder drücken. Die Auswirkungen auf den Straddle wurden oben beschrieben. Um das zu vermeiden, stellten wir die Position glatt.

Das GVV von 33,5 ist beeindruckend hoch, da der Straddle von Beginn an in den Gewinn lief und der Verlust ausschließlich aus dem Spread bestand. Die Position erzielte einen Gewinn in Höhe von 3,53 %.