Dann wollen wir mal…

Vor einiger Zeit kündigten wir den Start unseres neuen wikifolios „Unlimited Opportunities“ an. Wie es immer so ist, können tausend Dinge zwischen Dir und Deinem Ziel stehen. Bei uns war es zuletzt das Hochwasser, das unseren Fokus für ein paar Wochen in eine komplett andere Richtung zwang. Bis auf einen überschaubaren und planbaren zukünftigen Zeiteinsatz sollte aber auch die Baustelle erst einmal geschlossen sein. Ab jetzt geht der Blick wieder auf die Charts anstatt auf die Lagekarte…

Momentan ist es nicht einfach das Depot „mal eben so“ zu füllen. Zu viele Unwägbarkeiten stehen im Raum. Zieht die Konjunktur doch nicht so stark an wie erwartet? Werden Anleihekäufe zukünftig reduziert? Stehen vielleicht doch schon bald Zinserhöhungen an? Wird ein politisches Linksbündnis der Wirtschaft schaden? Fragen über Fragen.

Korrektur voraus?

Hinzu kommt eine gefährliche Gemengelage im Sentiment. Investoren und Anleger sind investiert und warten auf weitere Gewinne. Es wird also im Moment mangels weiteren liquiden Mitteln sowohl wenig gekauft, als auch in Erwartung weiterer Gewinne wenig verkauft. Ablesbar ist das am aktuell niedrigen Handelsvolumen und dem geringen Anteil an Put-Optionen, mit denen Investoren ihre Investments gewöhnlich absichern. Andererseits weiß man aber auch, dass bedingt durch die oben genannten Unwägbarkeiten eine Korrektur anstehen könnte. Wird hier auf der Verkäuferseite eine „kritische Masse“ erreicht, kann diese Korrektur sehr deutlich ausfallen, weil die Mehrzahl der Börsenteilnehmer versuchen wird ihre bisherigen Gewinne nicht wieder abzugeben und deshalb ihre Positionen glattstellen wird – vor allem dann, wenn auf eine Absicherung der Positionen mittels Optionen verzichtet wird.

Stabile Trends bei geringer Volatilität

Für mittelfristig angelegte Aktienpositionen ist das keine gute Basis. Dennoch gibt es Möglichkeiten in diesem Bereich zu investieren. Wichtig ist hier die Auswahl der Titel. Auch in einem Korrekturmarkt finden sich immer wieder Titel, die weniger betroffen sind oder sich schneller erholen. Eine gute Grundlage bietet der Blick auf Unternehmen, deren Geschäftstätigkeit sich in starken Trends und Megatrends wiederfindet.

Wir erachten zwei dieser Trends als chancenreich und haben jeweils eine erste Position in den Bereichen Halbleiter und Wasser aufgebaut.

Globaler Halbleitermangel

Der aktuelle Chipmangel wird sich voraussichtlich bis weit in das kommende Jahr erstrecken. Weitere Fertigungsanlagen sind zwar in Planung bzw. im Bau, die Errichtung dieser Anlagen ist aber teuer und zeitintensiv. Während Chip-Produzenten zwar nicht ad-hoc ihre Produktion erhöhen können, profitieren sie doch von den steigendenden Preisen. Durch sich ebenfalls erhöhende Preise für die Rohstoffe ist dieser Mehrertrag jedoch limitiert. Etwas „einfacher“ haben es da die Zulieferer und Ausstatter, die die Technologie für die Fertigung der Chips zur Verfügung stellen. Sie profitieren von den Investitionen in neue Fertigungsanlagen.

Die Global Player in diesem Markt sind bekannt, sowohl bei den Fertigern, wie auch bei den Ausstattern. Auch hier gibt es aber gelegentlich unterschiedlich dynamische Entwicklungen. Glätten kann man das durch ein Investment in einen geeigneten ETF. Wir haben uns für den VanEck Vectors Semiconductor UCITS ETF entschieden. Dieser spannt seinen Investmentradius noch etwas weiter und investiert in Halbleiter-Elektronik und Halbleiter-Ausstattung. Zu den Top-Investments gehören unter anderem Nvidia, ASML, Taiwan Semiconductor, Intel, Qualcomm und AMD.

Wasseraufbereitung und Wasserinfrastruktur

Wasser ist einer der wichtigsten Rohstoffe unseres Planeten und gewinnt auch aufgrund des Klimawandels zunehmend an Bedeutung. Auch bei einem Investment in Wasser kann man sich einzelner Titel bedienen oder eines börsengehandelten Indexfonds.

Entschieden haben wir uns für den Lyxor World Water (DR) UCITS ETF. Die Geschäftsmodelle der Top-Investments dieses ETFs sind bekannt. Neben einigen namenhaften US-Unternehmen aus den Bereichen Wasser- und Abwasserinfrastruktur, Wasseraufbereitung und weiterer individueller Services für den privaten und gewerblichen Verbraucher finden sich hier auch europäische Unternehmen wie der Sanitärtechnikanbieter Geberit und der Umweltdienstleister Veolia Environnement.

Mittelfristiger Handelsansatz und Diversifizierung

Die bis jetzt gekauften Positionen können in der Zukunft noch aufgestockt werden. Insbesondere der Bereich Wasser ist aus unserer Sicht recht risikoarm und wenig volatil. Bei der Entscheidung Einzeltitel versus ETF fiel unsere Wahl auf die ETFs, da diese von Hause aus eine breite Diversifizierung mit sich bringen.

Einzeltitel könnten zwar zu einer besseren Performance führen, bringen aber auch ein höheres Risiko mit sich. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass wir diese Position mittelfristig halten wollen, ist uns die Diversifizierung und die Reduzierung des Risikos und der Volatilität wichtiger als das letzte Prozent Performance.

Auf der Zielgeraden…

Von der Straddle-Front gibt es leider nach wie vor nichts Neues zu berichten. Die Delta-Verschiebung, die den Emittenten in hoch dynamischen Marktphasen half ihre Risiken im Rahmen zu halten, scheint sich auf Dauer durchzusetzen. Aus Sicht der Emittenten ist das verständlich. Für uns ist es maximal ärgerlich, da ein Straddle unter diesen Bedingungen deutlich an Schlagkraft einbüßt. Da Ärger auf Dauer aber nicht gut für die Gesundheit ist und da uns kreatives Denken viel mehr Freude bereitet, haben wir uns „einfach“ etwas neues ausgedacht…

Da wir ausgewiesene Freunde von Derivaten sind, basiert selbstverständlich auch unsere zweite Strategie auf dem Einsatz von Optionsscheinen. Es gilt immer noch der Satz „Warum eine Aktie kaufen, wenn es dafür einen geeigneten Optionsschein gibt?“. Diesem Motto bleiben wir treu, da der verantwortungsvolle Einsatz von Derivaten viele Vorteile gegenüber einem reinen Aktieninvestment bietet. Das exakte Setup der Strategie werden wir in einem späteren Beitrag beschreiben. Heute gibt es als „Appetithäppchen“ erst einmal nur ein paar Eckdaten.

Unbegrenzte Chancen bei begrenztem Risiko

Unserer Strategie wird den treffenden Namen „Unlimited Opportunities“ tragen und bietet in der Tat unbegrenzte Chancen. Zum Einsatz können nicht nur klassische Optionsscheine, sondern auch Turbo-Optionsscheine und Faktorzertifikate kommen. Genutzt wir das gesamte Derivate-Universum der Societé Generale.

Oberstes Gebot ist – dafür sollten sie uns kennen – die Risikokontrolle. Diese kann nicht nur dadurch erreicht werden, dass Hebel und Positionsgrößen entsprechend skaliert werden. Auch die Verwendung von weniger volatilen Basiswerten dient diesem Zweck. Aus diesem Grund blicken wir bei Unlimited Opportunities nicht nur auf üblicherweise volatile Einzeltitel, sondern handeln zum Beispiel auch Derivate auf Sektorindizes. Insbesondere in Trendphasen kann hier eine Glättung der Volatilität des Depots und eine Verringerung des Risikos erreicht werden.

Weitere Erkenntnisse für sinnvolle Einstiege in Einzeltitel bietet die Betrachtung der Unternehmen, die in einem identischen Sektor angesiedelt sind. Durch Korrelations-Charts lässt sich hier die unterschiedliche Entwicklung der Einzeltitel beurteilen. In Addition mit dem aktuellen Sentiment und weiteren fundamentalen Daten können die Titel differenziert bewertet werden. Dieser Filter unterstützt uns bei der Abgrenzung von aussichtsreichen und weniger aussichtsreichen Chancen.

Korrelationseffekte erstrecken sich aber auch über unterschiedliche Anlageklassen. Der Blick auf die Zinsen, die Anleiherenditen oder auf die Euro-Entwicklung können für die Antizipation der zukünftigen Entwicklung eines Sektors ebenso hilfreich sein, wie die Berücksichtigung eventueller Inflationssorgen und der Maßnahmen der Zentralbanken. Auch hier ist der Name Programm: Unlimited Opportunities!

Handarbeit statt Autopilot

Alles ganz einfach? Na klar…wir schütteln uns sowas dreimal täglich einfach aus dem Ärmel. Spaß beiseite: Auch wenn man im Umgang mit Derivaten über eine gute Expertise verfügt, ist die Entwicklung einer Strategie vom ersten Gedanken bis zum Rollout harte Arbeit. Da alles was wir machen echtes Handwerk ist, gibt es keine Möglichkeit des automatischen Backtestings.

Auch wir bedienen uns selbstverständlich technischer Hilfsmittel zur Evaluierung geeigneter Basiswerte und Handelsmöglichkeiten. Dies erfolgt aber weniger durch die Verwendung klassischer Indikatoren, als vielmehr durch das Schaffen eigener, exakt auf die Strategie zugeschnittener Werkzeuge. Das zugrunde liegende Regelwerk muss formuliert und programmiert werden. Diese Werkzeuge treffen aber keine Handelsentscheidung. Sie lenken lediglich den Blick auf interessante Situationen, sodass aus den mehreren hundert Titeln sofort diejenigen herausstechen, die eine genauere Betrachtung wert sind und in denen es nach weiterer Analyse sinnvoll erscheinen könnte eine Position einzugehen. Erst wenn genug Positionen gehandelt wurden, kann festgestellt werden an welcher Schraube noch gedreht werden muss, um das Ergebnis noch weiter zu verbessern. Dieser Mess- und Regelprozess kann sich über mehrere Monate hinziehen.

Ziel in Sicht!

Da wir im Moment des Rollouts eine tragfähige Strategie vorweisen wollen, bedarf es eines angemessenen Entwicklungs- und Dokumentationszeitraumes. Die Entwicklung nähert sich jetzt ihrem Ende und Unlimited Opportunities befindet sich auf der Zielgeraden.

Momentan befinden wir uns in der Dokumentationsphase. Dies beinhaltet auch das Handeln einiger Positionen nach Vorgabe des Regelwerkes über einen repräsentativen Zeitraum. Zum einen führt das dazu, dass das wikikifolio-Musterdepot im Moment der Veröffentlichung nicht jungfräulich erscheint und zum anderen bietet es Ihnen die Möglichkeit bereits am Tag der Veröffentlichung eine eigene Auswertung der von uns gehandelten Positionen vorzunehmen.

Nach Monaten der Entwicklung sind wir zuversichtlich, dass wir Unlimited Opportunities in den nächsten Wochen veröffentlichen können. Wir halten Sie weiter auf dem Laufenden!

Weiter auf Standby…

Seit dem letzten Blog-Eintrag sind schon wieder drei Wochen vergangen. Selbstverständlich haben wir auch während dieser Zeit die Märkte weiter im Auge behalten. Wenn Sie die zurückliegenden Einträge lesen, mag das den Eindruck erwecken, dass unsere „Schallplatte einen Sprung hat“ – aber es ist tatsächlich so: Neue Einstiege für profitable Straddles gibt es leider immer noch nicht. Damit Sie diese Aussage besser nachvollziehen können, gibt es heute eine erklärende Grafik.

Als Bild zu diesem Beitrag sehen Sie einen Chart von ThyssenKrupp auf der rechten Seite und die dazugehörigen Optionsscheine auf der Linken Seite. Unterhalb der beiden Optionsscheine sehen Sie als graue Linie die Wertentwicklung des Straddles. Der Wert ermittelt sich aus der Addition der Prämien des Call-Optionsscheines und des Put-Optionsscheines.

Für die Erläuterung der aktuellen Lage nehmen wir ein theoretisches Szenario an. Gehandelt wurde dieser Straddle nicht!

Der Einstieg

Mitte August setzt der Kurs des Basiswertes von 7,50 Euro auf 6,00 Euro zurück. Wir warten ein paar Tage, um die Reduzierung der impliziten Volatilität abzuwarten. Am 21. August entscheiden wir uns für den Einstieg nahe einem Kurs im Basiswert von 6,00 Euro. Wir kaufen 7.234 Call-Optionsscheine und die gleiche Anzahl Put-Optionsscheine. Die Gesamtinvestition beträgt rund 17.000 Euro, also etwa einem Sechstel des Depotwertes.

Das Ziel ist, von einer erneuten Aufwärtsbewegung oder von einer sich fortsetzenden Abwärtsbewegung zu profitieren.

Seitwärtsphase

Bis zum 11. September (Punkt 1) läuft der Kurs des Basiswertes seitwärts. Die Prämiensumme der beiden Optionsscheine betrug zum Einstieg 2,35 Euro. Der Einstieg erfolgte bei einem Kurs des Basiswertes von 6,12 Euro. Am 11. September schließt der Basiswert bei 5,85 Euro, also 4,4 % tiefer als zum Einstieg. Trotzdem liegt die Prämiensumme nur bei 2,29 Euro. Multipliziert mit der Stückzahl der Optionsscheine beträgt der Wert des Straddles jetzt nur noch 15.915 Euro. Geschuldet ist dies im Wesentlichen der weiter sinkenden impliziten Volatilität und dem Theta.

Durchbruch nach unten

Der Kurs entwickelt Dynamik und fällt weiter. Eigentlich sollte der Straddle sich jetzt positiv entwickeln. Macht er aber nicht. Woran liegt das? Der Hauptgrund ist, dass wir gegen ein „schiefes Delta“ kämpfen. Dieses ergibt sich daraus, dass bei einem Optionsschein am Geld das Delta in der aktuellen Marktphase nicht bei 0,50, bzw. -0,50 liegt. Ursächlich hierfür ist zum Teil die aktuell immer noch hohe implizite Volatilität. Die Optionsscheine, die wir bei einem Kurs des Basiswertes von 6,00 Euro mit einem Ausübungspreis von ebenfalls 6,00 Euro am Geld gekauft haben, weisen ein schiefes Delta auf: Der Call-Optionsschein hat ein Delta von 0,58 und der Put Optionsschein ein Delta von -0,42.

Welche Folgen hat das? Fällt der Kurs des Basiswertes, verliert der Call-Optionsschein über sein starkes Delta mehr Wert, als der Put-Optionsschein mit seinem schwachen Delta gewinnen kann.

Folgerichtig führt die weitere Kursentwicklung deshalb erst einmal nicht in den Gewinn, sondern noch weiter in den Verlust. Erst ab einem Kurs des Basiswertes von etwa 4,50 Euro Erreicht die Prämiensumme wieder den Einstandswert von 2,35 Euro. Der Basiswert ist zu diesem Zeitpunkt 26,5 % (!) gefallen. Erst ein weiterer Kursverfall bringt den Straddle in den Gewinn. Am 2. Oktober (Punkt 2) schließt der Basiswert bei 3,88 Euro, also 36,6 % tiefer als beim Aufbau des Straddles. Die Prämiensumme beträgt jetzt 2,59 Euro. Multipliziert mit der Stückzahl der Optionsscheine beträgt der Wert des Straddles jetzt 18.736 Euro.

Ausstieg verpasst?

Dann gibt´s ein Problem. Bereits am Schluss des Folgetages ist der Gewinn wieder abgeschmolzen. Noch einen Tag später steht der Straddle schon wieder im Verlust.

Fazit

Es erscheint wenig sinnvoll einen Straddle zu platzieren, wenn klar ist, dass eine Bewegung im Basiswert von mehr als 25 Prozent erforderlich ist, um den Straddle in den Gewinn zu führen und wenn ebenfalls klar ist, dass jedes andere Szenario in den Verlust führt.

Es hilft leider auch nur bedingt weiter, den Ausübungspreis der Optionsscheine so zu verschieben, dass die Optionsscheine ein Delta von 0,50, bzw. -0,50 aufweisen. Das ist zwar möglich, löst das Problem aber nicht. Denn neben dem Delta ist auch das Gamma entscheidend. Die Verschiebung des Ausübungspreises führt dazu, dass der Call-Optionsschein aus dem Geld und der Put-Optionsschein im Geld liegt, da der Ausübungspreis oberhalb des aktuellen Kurses des Basiswertes liegen muss. Die Lage eines Optionsscheines beeinflusst neben dem Delta auch das Gamma. Beide Werte sind für die synchrone Entwicklung der beiden Optionsscheine eines Straddles entscheidend.

Ist ein Kauf der Optionsscheine am Geld mit einem Delta von 0,50, bzw. -0,50 nicht möglich, gibt es keine Synchronizität, da diese entweder durch das „schiefe Delta“ gestört wird oder, bei einer Verschiebung des Ausübungspreises zugunsten des Deltas, durch ein nicht mehr passendes Gamma.

Wir werden also weiter abwarten müssen…

Es wird besser – aber es ist noch nicht gut.

Seit Ende Juli sind wir mit unserer Strategie Long Straddle Warrants „offline“. Regelmäßig prüfen wir die Marktbedingungen für eine Wiederaufnahme des Handels. Hier die aktuellen Erkenntnisse.

Wie ist die aktuelle Lage?

Die Überschrift zu diesem Artikel sagt eigentlich alles: Es wird besser – aber es ist noch nicht gut. Was bedeutet das bei genauerer Betrachtung? Einige Titel, vor allem die größeren Unternehmen, die auch vor dem Crash schon deutlich weniger volatil waren, beruhigen sich zunehmend. Gleiches ist auch bei den etwas volatileren und deshalb für den Straddle interessanteren Titeln zu beobachten. Die Richtung passt schon mal, das Ziel ist aber noch nicht erreicht.

Verallgemeinern kann man die Aussage jedoch nicht. Es ist zwar korrekt, dass die Volatilität bei vielen Titeln zurück geht, nicht aber bei allen. Auch die Delta-Abweichung der Optionsscheine am Geld verringert sich – aber ebenfalls nicht flächendeckend. Nach wie vor finden sich auch nicht immer gleichzeitig passende Optionsscheine auf der Call- und auf der Put-Seite, aus denen sich ein Straddle konstruieren lässt. 

Was bedeutet das für den Handel?

Die Rahmenbedingungen sind leider immer noch nicht geeignet, den Handel wieder in der alten und bewährten Form aufzunehmen. Durch die langsame aber durchaus positive Entwicklung zeigt sich aber etwas Licht am Horizont. Es ist schwer einzuschätzen, wann es wieder möglich sein wird Straddles zu handeln, die mit einem angemessenen Chance-Risiko-Profil ausgestattet sind. Wir müssen leider davon ausgehen, dass die Chancen hierfür bis Ende des Jahres eher schlecht stehen. Vielleicht bietet sich die eine oder andere Ausnahme, versprechen können wir das aber leider nicht. Eines können wir versprechen: Wir werden nicht „mit der Brechstange“ arbeiten!

Langeweile – Nein danke!

Was macht man, wenn der Markt einem so nachhaltig „in die Suppe spuckt“? Man könnte jammern und über die Ungerechtigkeit des Universums philosophieren. Oder man könnte das Positive an der Situation suchen und die Zwangspause für einen ausgedehnten Urlaub nutzen.

Jammern bringt nichts und Urlaub wird schnell langweilig. Also machen wir das, was wir am besten können: Wir krempeln die Ärmel hoch und suchen nach Anpassungsmöglichkeiten, Ergänzungen und vor allem nach tragfähigen Lösungen.

Vor fünf Wochen setzten wir erstmals ein rudimentäres Setup auf, welches uns in die Lage versetzen sollte, auch dann aktiv handeln zu können, wenn Long Straddle Warrants pausieren muss. Seit dem ersten Probelauf feilen wir noch an der einen oder anderen Ecke.

Die Vorteile dieses Handelsansatzes liegen aber bereits jetzt auf der Hand: Er muss weniger präzise sein. Das bedeutet zum Beispiel, dass Optionsscheine nicht unbedingt möglichst exakt am Geld, zum gleichen Ausübungspreis und mit einem passenden Delta erworben werden müssen. Mehr Flexibilität in diesem Bereich führt dazu, dass der Spread und die Volatilität eines Optionsscheines durch die freie Wahl der Lage des Optionsscheines (im Geld, am Geld, aus dem Geld) angepasst werden können. Wie bei einem Straddle, wird auch bei diesem Handelsansatz eine Absicherung vorgenommen – allerdings nicht mehr bezogen auf den Einzeltitel, sondern übergeordnet bezogen auf das Depot.

Umgehend aber nicht unüberlegt!

Als wir Ende Juli den letzten  Straddle glattstellten, war uns sehr schnell klar, dass wir hier mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ein größeres Problem zusteuern. Deshalb dauerte es es auch nur zwei Wochen, bis wir eine Möglichkeit ausgearbeitet hatten, die Funktionsweise des Straddles auf den aktuellen Markt zu adaptieren. Der umgehende Start und die hohe Handelsfrequenz versetzen uns in die komfortable Lage, dass wir bereits heute 43 gehandelte Positionen auswerten können.

EURO STOXX 50® (unten), DAX® (Mitte), wikifolio (oben)


Mit den bisherigen Ergebnissen sind wir sehr zufrieden. Den EURO STOXX 50® und den DAX® konnten wir in diesem Zeitraum schlagen. Das Depotkapital wurde allerdings nur zu etwa einem Viertel eingesetzt.

Aktuell sind wir seit gestern im Cash und werden auch vor dem großen Verfallstag am Freitag keine Position mehr eröffnen. Am Wochenende werden noch ein paar Werkzeuge zur Unterstützung beim Detektieren geeigneter Titel programmiert. Ab Montag geht es dann in eine finale Erprobungsphase, in die noch einige Überlegungen bei der Auswahl der Titel einfließen werden und die uns Ergebnisse zu einer besseren Ausnutzung des freien Depotkapitals liefern soll. Diese Phase wird vermutlich Anfang Oktober abgeschlossen sein. Anschließend werden wir dass wikifolio öffentlich zugänglich machen und die Emission beantragen.

Demnächst sollte es dann neben Long Straddle Warrants eine zweite Strategie geben. Bisher galt immer „Wir machen uns unabhängig von der Marktrichtung“. Jetzt setzen wir noch einen oben drauf und machen uns unabhängig vom Markt. Alles was wir dann noch brauchen sind einfach nur Optionsscheine. Die wird hoffentlich niemand verbieten. Wenn das passieren sollte, denken wir vielleicht doch mal über die Ungerechtigkeit des Universums nach. Aber nur für ein paar Millisekunden…dann werden wieder die Ärmel hochgekrempelt.

 

Update: Weiterhin „Schleudergefahr“!

Mehr als zwei Wochen sind seit unserem letzten Blog-Eintrag vergangen. Für uns, die wir täglich die Märkte beobachten und endlich wieder vom Beobachter zum Akteur werden wollen, fühlt sich das sehr lange an. Für den Markt ist es nur eine Findungsphase mit einer Schwankungsbreite von etwa 500 Punkten im DAX®. Immer noch gilt: Blinder Aktionismus ist fehl am Platz. Geduld ist gefragt!

In unserem letzten Beitrag berichteten wir über eine mögliche Anpassung der Strategie. Als Basis wurden hier Intraday-Zeiträume betrachtet und Anomalien bei der impliziten Volatilität beobachtet. Bisher liefern unsere Beobachtungen zwei Erkenntnisse. Erkenntnis Nr. 1: Ja, es gibt diese Anomalien und sie lassen sich recht sauber filtern und erkennen. Erkenntnis Nr. 2: Sie sind sehr kurzlebig.

Gerade letzteres erfordert für einen profitablen Handel einen nahezu perfekten Einstieg und einen ebenso nahezu perfekten Ausstieg. Das Gewinnziel einer solchen Position liegt selbst unter optimalen Bedingungen nur bei wenigen hundert Euro. Das Risiko hat jedoch die selbe Größe wie immer. Wird der Ausstieg verpasst, wird nicht nur der kleine Gewinn wieder abgegeben. Die Position läuft auch schnell wieder in den Verlust. Ob sie sich daraus wieder erholt, ist oft fraglich.

Perfekte Ein- und Ausstiege sind nicht konsistent und beinhalten immer auch eine „Glückskomponente“. Wer schon einmal an den Kapitalmärkten gehandelt hat, weiß das. Sollte einer der Leser dieses Beitrages es geschafft haben, 100 mal in Folge eine Aktie zum absoluten Tiefstkurs gekauft und zum absoluten Höchstkurs verkauft zu haben, so bitten wir dringend um Kontaktaufnahme…

Spaß beiseite: Wenn perfekte Ein- und Ausstiege kaum möglich sind, der angepeilte Gewinn stark limitiert ist und das Risiko im Verhältnis zum Gewinn größer ist als sonst, dann sieht das nicht nach einer vorteilhaften Situation aus. Die logische Konsequenz daraus ist, dass wir hiervon die Finger lassen.

Wie sieht’s also aus?

Wir müssen Ihnen und uns leider noch eine weitere Wartezeit zumuten. An der Gesamtsituation hat sich noch nicht viel geändert – wie schon gesagt, zwei Wochen sind für den Kapitalmarkt nicht viel Zeit. Im DAX® lassen sich aktuell keine Straddles mehr platzieren. Die Schwankungsbreite ist zu niedrig und die implizite Volatilität wird reduziert.

Für die Einzeltitel ist es nach wie vor zu früh. Eine Reduzierung der impliziten Volatilität ist auch hier zu beobachten. Das ist für uns allerdings positiv. Da die implizite Volatilität nur auf eine Mindestmaß fallen kann, können wir bei Erreichen dieses Mindestmaßes wieder Straddles positionieren. Die Entwicklung ist hier auf einem guten Weg. Aber auch das kann noch eine Weile dauern.

Mehr Auswahl, mehr Chancen!

Während des Wartens auf „Bessere Zeiten“ waren wir selbstverständlich nicht untätig. Bisher haben wir für unsere Straddles lediglich die DAX®-Werte beobachtet. Solange man aus dem Vollen schöpfen kann, reichen diese 30 Titel aus. Da sich die Optionsscheine auf diese Einzeltitel sehr unterschiedlich entwickeln, insbesondere was die implizite Volatilität und die Spreads betrifft, werden wahrscheinlich nicht alle 30 Titel zeitgleich wieder zu interessanten Kandidaten. Es erschien uns deshalb sinnvoll die „Pausenzeit“ dafür zu nutzen unsere Basis zu verbreitern.

Wir haben uns den CDAX®, den EURO STOXX 50® und den S&P 500® angeschaut. Im CDAX® sind alle Titel enthalten, die an der Frankfurter Börse im Prime Standard oder im General Standard gelistet sind. Der EURO STOXX 50® umfasst die 50 größten Unternehmen aus dem europäischen Wirtschaftsraum. Im S&P 500® sind die Aktien der 500 größten US-Unternehmen gelistet.

Leider gibt es bei den Emittenten, deren Produkte für unser wikifolio genutzt werden können, nicht für jedes der Unternehmen passende Optionsscheine. Anstatt der bisherigen 30 Unternehmen beobachten wir jetzt aber mehr als 300 Unternehmen. Die Auswertung der Daten in einem solchen Umfang ist nur durch den Einsatz unserer selbst geschaffenen Scanner-Technologie möglich. Neben der technischen Komponente ist auch der Weg der Informationsbeschaffung wichtig. Auch hier haben wir, gerade mit Blick auf die US-Titel, weitere Quellen erschlossen.

Wie geht’s weiter?

Momentan ist der Markt aus unserer Sicht noch nicht wieder in „Straddle-Verfassung“. Verfrühte Einstiege bringen immer noch Gefahr mit sich. Mehr Titel unter Beobachtung bedeuten aber mehr mögliche zukünftige Chancen. Wir setzen also nicht auf höheres Risiko, sondern auf eine breitere Basis.

Wir werden den Markt weiterhin täglich im Auge behalten und hoffen bald wieder den einen oder anderen Einzeltitel handeln zu können.