Alles richtig gemacht!

Am 24. Juli haben wir uns entschieden die DAX®-Straddles glattzustellen. Grund hierfür war die Begrenzung des Risikos. Heute, knapp zwei Wochen später, überprüfen wir unsere Entscheidung. Das Ergebnis ist eindeutig: Alles richtig gemacht!

Seit Anfang Juni bewegt sich der Dax® in einer Seitwärtsphase. Das bedeutet, dass das Volatilitätsrisiko für die Emittenten von Optionsscheinen geringer wird. Die Reduzierung der impliziten Volatilität wirkt sich durch das Vega auf die Optionsscheinprämien aus und führt zu einer Verbilligung der Optionsscheine. Seit der Glattstellung am 24. Juli hätten unsere Straddles an Wert verloren und den Depotwert um weitere fast fünf Prozent reduziert. Diesen zusätzlichen Verlust haben wir uns und Ihnen erspart.

An dieser Stelle möchten wir noch einmal die Gelegenheit nutzen, Ihnen einen Überblick über die aktuelle Marktsituation und über unsere weitere geplante Vorgehensweise zu geben.

Was ist der „Normalzustand“?

Normalerweise folgt die Beziehung zwischen einem Basiswert und einem Optionsschein klaren Regeln: Ein Optionsschein am Geld hat ein Delta von nahezu +0,50 bzw. -0,50. Ändert sich die implizite Volatilität, wirkt sich das auf beide Optionsscheine eines Straddles annähernd gleich aus. Dieser Normalzustand herrschte vor dem Crash.

Straddles auf wenig volatile Indizes waren in dieser Phase eher uninteressant, Straddles auf einzelne Aktientitel waren insbesondere vor der Bekanntgabe von Unternehmensnachrichten sehr interessant.

Was hat sich durch den Crash geändert?

Der Crash brachte einige Veränderungen mit sich, deren Folgen wir auch jetzt noch spüren. Die implizite Volatilität erhöhte sich schlagartig, sowohl in den Indizes, wie auch in den Einzeltiteln. Hiermit einher ging eine Verschiebung des Deltas. Ein Call-Optionsschein am Geld hatte kein Delta von 0,50, sondern ein Delta von zum Beispiel 0,56. Der Put-Optionsschein wies zeitgleich ein Delta von zum Beispiel -0,44 auf. Diese Delta-Verschiebung führte dazu, dass ein Straddle sich bei einem steigenden Kurs des Basiswertes, bedingt durch die Überkompensation des Call-Deltas, sofort in den Gewinn bewegt, während bei einem fallenden Kurs erst einmal ein Verlust entsteht.

Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn in einer Aufwärtsbewegung des Basiswertes wurde die Volatilität deutlich zurückgenommen, was einen Gewinn des Straddles zunächst verhinderte. Eine weitere Besonderheit stellte die oft völlig unterschiedliche Anpassung der Volatilität dar. So wurde bei einer Abwärtsbewegung des Basiswertes oft die implizite Volatilität des Put-Optionsscheines erhöht, während die implizite Volatilität des Call-Optionsscheines verringert wurde. In Summe stieg die Volatilität also nicht oder nur geringfügig an und es gelang nur selten eine Überkompensation des negativen Delta-Effektes.

Der allgemeine, massive Anstieg der impliziten Volatilität führte dazu, dass Straddles auf Einzeltitel kaum noch handelbar waren. Das Risiko, durch eine Rücknahme der Volatilität deutlich in den Verlust zu rutschen, war zu groß. Hinzu kam, dass vor allem auf der Put-Seite nur wenige neue Optionsscheine emittiert wurden und dass die Spreads der verfügbaren Optionsscheine auf Einzeltitel deutlich erhöht wurden und so den Einstieg ohnehin sehr unattraktiv machten. Allein für die Kompensation des Spreads wäre eine Bewegung des Basiswertes erforderlich gewesen, die unter normalen Bedingungen bereits ausgereicht hätte, um den Straddle Richtung Glattstellung im Gewinn zu führen.

Der Anstieg der impliziten Volatilität entsteht durch den Anstieg der erwarteten Schwankungsbreite des Kurses des Basiswertes. Vor dem Crash war die Schwankungsbreite der Indizes zu gering, um hier einen profitablen Straddle platzieren zu können, da eine Delta-Überkompensation nur schwer zu erzielen war. Dies hat sich durch den Crash geändert. Durch die jetzt höhere Schwankungsbreite konnten auch Straddles auf Indizes von der Delta-Überkompensation profitieren. Die Spreads bei den Indizes blieben niedrig und das Angebot an Optionsscheinen blieb konstant. Dies ermöglichte es uns jetzt auch Straddles auf Indizes zu platzieren.

Wie ist die aktuelle Lage?

Der Markt bewegt sich wieder in Richtung Normalzustand. Die implizite Volatilität geht zurück – dies veranlasste uns auch zu der folgerichtigen Entscheidung unsere offenen Straddles zu schließen.

Einerseits ist das gut, da wir damit auch in absehbarer Zeit wieder die Chance haben Straddles auf Einzeltitel zu platzieren, die deutlich profitabler sind als Straddles auf Indizes, was daran liegt, dass in normalen Marktphasen die Grundvolatilität von Einzeltiteln oft höher ist, als die Volatilität der Indizes. Andererseits bewegen wir uns auf dem Weg in die Normalität aktuell durch ein sehr unbefriedigendes Marktumfeld. Mittelfristige Straddles auf Indizes sind kaum noch lohnend, da die Bewegung für einen Gewinn durch eine Delta-Überkompensation zu gering ist und die implizite Volatilität derzeit täglich abgebaut wird.

Die implizite Volatilität der Einzeltitel ist zwar gesunken aber bei den meisten Titeln immer noch zu hoch. Gleiches gilt für die Spreads der Optionsscheine auf die Einzeltitel. Während wir also von den Indizes immer mehr die Finger lassen, können wir die Einzeltitel noch nicht so recht greifen.

Muss die Strategie angepasst werden?

Selbstverständlich gibt es immer Möglichkeiten eine Strategie anzupassen. Wichtig: Nicht falsch verstehen! Anpassen heißt nicht ändern! Zurzeit schauen wir uns zum Beispiel die Delta-Abweichung sehr genau an. Diese kann durch die Wahl eines anderen Ausübungspreises sehr einfach eliminiert werden. Damit wäre zumindest die Delta-neutrale Positionierung wieder sichergestellt. Etwas schwerer ist es bei der impliziten Volatilität. Durch die unterschiedliche Anpassung der Volatilität der beiden Optionsscheine eines Straddles, muss diese immer in Summe und nicht einzeln betrachtet werden. Hierfür haben wir ein Werkzeug geschaffen, welches den Delta-bereinigten Effekt der impliziten Volatilität in Echtzeit und in Verbindung mit der Kursstellung durch den Emittenten eindeutig ausweist. Für eine Betrachtung auf Basis von Tagesschlusskursen ist dieses Werkzeug nur bedingt tauglich. Interessante Anomalien ergeben sich aber gelegentlich innerhalb eines Handelstages, wenn der Emittent zum Beispiel bei der Reduzierung der impliziten Volatilität etwas zu „übermütig“ war. Diese Anomalien werden von uns vollautomatisch erkannt und ausgewertet. Auch wenn sie recht selten vorkommen und die Gewinnziele deutlich geringer sind, bietet sich so eine Chance, in dieser recht ereignislosen Marktphase zumindest gelegentlich noch einen Straddle positionieren zu können.

Wir haben also durchaus Ergänzungen der Strategie hinzugefügt. An der Grundlogik ändert sich aber nichts. Wir wissen, dass die Strategie funktioniert und müssen diese „Saure-Gurken-Zeit“ nun einfach bestmöglich hinter uns bringen.

Und die Perspektive?

Wie schon erwähnt, bewegt sich der Markt wieder in die richtige Richtung. Die implizite Volatilität sinkt auf breiter Front, die Spreads normalisieren sich hier und da schon wieder, die Delta-Verschiebung reduziert sich ebenfalls und die Emittenten trauen sich auch wieder einige neue Optionsscheine, vor allem auf der Put-Seite mit akzeptablen Bedingungen, zu emittieren.

Das bedeutet nicht, dass innerhalb kurzer Zeit alles wieder vollkommen normal läuft. Aber uns bietet sich die Möglichkeit von Woche zu Woche mehr interessante Titel auf die Beobachtungsliste zu setzen. Wann wir wieder in den ursprünglichen Modus gelangen ist noch unklar. Der Weg dahin scheint aber schon mal eingeschlagen zu sein. Geduld ist besser als Risiko. Und Cash macht auch kein Minus.

24.07.2020 | Glattstellung zur Risikobegrenzung

Heute haben wir alle Positionen aus dem Markt genommen. Zu viele gegenläufige Kräfte treiben aktuell den Markt. Eine klare Bewegung in die eine oder andere Richtung lässt sich hieraus nicht ableiten.

Ein Straddle lebt von der Bewegung nach oben oder nach unten. Seitwärtsphasen über mehrere Wochen kosten Geld, da der Straddle täglich an Wert verliert. Verursacht wird dies durch das Theta und durch eine sinkende implizite Volatilität.

Wenn keine Besserung zu erwarten ist, müssen Entscheidungen getroffen werden. Das haben wir heute getan. Wir haben uns von unseren offenen Positionen verabschiedet. Zwei der Positionen standen bei der Glattstellung im Verlust, eine Position, die wir gestern noch platziert haben, konnte einen Gewinn erzielen.

Das Video zu diesem Beitrag erläutert die Hintergründe unserer Entscheidung und beleuchtet nicht nur die Chancen eines Straddles, sondern auch die Risiken und unsere Art mit diesen Risiken umzugehen.

Was ist eigentlich ein Straddle und wie funktioniert er?

Mehrfach erreichte uns die Frage „Was ist eigentlich ein Straddle und wie funktioniert er?“. Zugegeben, die komplexe Funktionsweise zu verstehen ist nicht ganz so einfach. Die Grundfunktionalität ist aber „schnell“ erklärt.

Wie das immer so ist, wenn es etwas zu erklären gibt, nutzen wir hierfür gerne unseren neuen Kanal bei YouTube. Mit Bild und Ton lassen sich viele Dinge einfacher darstellen, als in reiner Schriftform. Trotzdem weisen wir auch an dieser Stelle gerne noch einmal auf unsere kostenlose Broschüre hin.

Auch das Video „Emission erfolgreich abgeschlossen – wie geht’s weiter?“ gibt einige weitere Einblicke und ist eine gute Ergänzung zu dem Video, welches wir für diesen Blog-Eintrag angefertigt haben.

Emission erfolgreich abgeschlossen – wie geht’s weiter?

Am 8. Juli war es endlich soweit: Unser wikifolio-Indexzertifikat Long Straddle Warrants wurde emittiert! Grund genug für uns, ein neues Video zu produzieren. Wie ist die aktuelle Lage, wie sind wir positioniert und was lässt die Zukunft erwarten? Die Antworten gibt es hier.

In diesem Video erfahren Sie, was wir von unserer aktuellen Positionierung erwarten. Wir schauen uns die Optionsscheine eines im Markt befindlichen Straddles detailliert an. Darüber hinaus blicken wir in die Zukunft. Wie wird unser Handel aussehen, wenn die Märkte sich wieder beruhigen? Wir wünschen Ihnen spannende Erkenntnisse…

 

Da kann man sich nur wundern…

Da reibt man sich doch schon mal die Augen vor Verwunderung. In den vergangenen zwei Wochen jagte eine Krise die nächste…und an den Aktienmärkten wird gefeiert.

Unseren letzten Straddle nahmen wir am 26. Mai aus dem Markt. Seitdem halten wir unser Pulver trocken und warten mal wieder auf eine sinkende implizite Volatilität. Gewöhnlich fällt diese, wenn der Markt steigt. Das ist aber nur dann der Fall, wenn der Markt sich in einem sicheren Umfeld moderat nach oben tastet.

„Tasten“ ist in der aktuellen Marktsituation wohl die falsche Begrifflichkeit. Die Indizes werden nach oben „geprügelt“. Unmengen von Geld fließt in die Märkte, die Handelsumsätze explodieren. Und das unter Ausblendung jedweder potentieller Risiken.

Ist das wirklich so? Werden die Risiken wirklich komplett ausgeblendet? Nein!

Der DAX®-Chart mag isoliert betrachtet eine (wieder) heile Welt darstellen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Ein Blick auf die implizite Volatilität der einzelnen Optionsscheine zeigt, dass diese wieder ansteigt – trotz eines steigenden DAX®. Wie passt das zusammen?

Es muss differenziert werden zwischen dem oben bereits erwähnten sicheren Umfeld, in dem ein Kurs moderat steigt und zwischen dynamischen Ausschlägen, wie wir sie aktuell sehen. Die implizite Volatilität drückt die Erwartung der Marktteilnehmer darüber aus, ob sich die zukünftige Schwankungsbreite erhöht oder absenkt. In einem sicheren Umfeld und bei moderat steigenden Kursen ist die Gefahr von plötzlichen, heftigen Rückschlägen gering. Je länger das Sentiment positiv ist, umso sicherer sind die Marktteilnehmer, dass die Schwankungsbreite zukünftig gering sein wird. Optionsscheine, die weit aus dem Geld liegen werden kaum nachgefragt. Da sich die implizite Volatilität im wesentlichen aus Angebot und Nachfrage von Optionen bzw. Optionsscheinen ableitet sinkt die implizite Volatilität.

Was passiert aktuell? Auch in den letzten Wochen drückten die Märkte nach oben. Allerdings in einem äußerst unsicheren Umfeld. Je stärker die Bewegung nach oben, umso mehr wird ein Rücksetzer befürchtet. Dies führt zu einer hohen Nachfrag von entsprechenden Optionsscheinen. Mit Put-Optionsscheinen können Anleger entweder ihre Depots absichern oder Spekulanten können von fallenden Kursen profitieren. Die Annahme einer hohen Schwankungsbreite führt dazu, dass auch Optionsscheine gekauft werden, die noch weit aus dem Geld sind. Das führt wiederum zu einer ansteigenden impliziten Volatilität – trotz steigender Kurse.

Die Risiken werden also doch nicht komplett ausgeblendet. Dies zeigt sich allerdings nicht im DAX®-Chart, sondern in der impliziten Volatilität der Optionen und Optionsscheine. Die aktuelle Überhitzung des Marktes und die noch lange nicht ausgestandenen wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise sind also durchaus zu erkennen. Allerdings nur dann, wenn man genau hinschaut.

Risikovermeidung geht vor Renditemaximierung

Da wir aufgrund der hohen impliziten Volatilität (noch) nicht im Markt sind, partizipieren wir aktuell nicht an den steigenden Kursen. Das ist aber nicht schlimm, da wir in unserem wikifolio-Musterdepot „Long Straddle Warrants“ im Vergleich zu vielen anderen reinen Aktien-wikifolios keinen Verlust zu verbuchen hatten, als die Märkte einbrachen. Demzufolge gibt es für uns auch nichts zu „reparieren“. Wir stehen nicht unter Druck und können ganz entspannt unserer Arbeitsweise treu bleiben: Risikovermeidung geht vor Renditemaximierung.