Zwischenstand und Analyse

Am 7. Mai positionierten wir bei 10.632 Punkten im DAX® einem Straddle mit einem Ausübungspreis von 10.600 Punkten. Die Position entwickelt sich nicht wunschgemäß. Bisher hatten wir nur Gewinne zu vermelden. Dieser Straddle bietet uns die Möglichkeit, Ihnen die Analyse einer Situation an die Hand zu geben,  in der nicht alles optimal verläuft.

Ein möglicher Einstieg bot sich bereits gegen Ende des Handelstages am 4. Mai. Nach der, an den beiden Tagen zuvor, recht dynamischen Abwärtsbewegung, war davon auszugehen, dass die implizite Volatilität zum Zeitpunkt des möglichen Einstieges noch zu hoch war. Würde der Kurs sich weiter seitwärts bewegen, würde die Volatilität noch fallen, die Prämien der Optionsscheine verringern und den Einstig günstiger machen.

Genau dieses Szenario trat ein. Auf der linken Seite der Abbildung sehen Sie ganz unten ein Balkendiagramm. Die blauen Balken zeigen den Gewinn oder Verlust der Summe der Optionsscheinprämien im Bezug zum Schluss-Wert des Vortages. Die Summe der Prämien,  beträgt am 4. Mai zum Handelsschluss 19,71 Euro. Am 5. Mai sinkt die Prämiensumme um 0,47 Euro und am 6. Mai erneut um 0,29 Euro. Sie reduziert sich innerhalb dieser zwei Tage also um 0,76 Euro. Da wir erst am 7. Mai den Straddle positionieren, ersparen wir uns einen Wertverlust von rund 680 Euro im Vergleich zu dem möglichen Einstieg am 4. Mai.

Am Tag der Positionierung fällt der Straddle noch einmal im Wert. Der Verlust ist aber deutlich geringer als an den Vortagen. Auch das können Sie in dem Balkendiagramm erkennen. Am Folgetag kann sogar ein Teil des Verlustes wieder eingeholt werden, der Straddle ist auf einem guten Weg.

Zwei Handelstage nach der Eröffnung der Position, am 11. Mai, reduziert sich der Wert unseres Straddles. Was ist hier passiert? Zwei Dinge tragen zu dem Rücksetzer bei: Das starke Delta des Call-Optionsscheines und ein starker Rückgang der impliziten Volatilität.

Zunächst zum Delta des Call-Optionsscheines: Bei einem Stand des DAX® von rund 11.000 Punkten befindet sich der Call-Optionsschein bereits im Geld. Optionsscheine im Geld weisen ein stärkeres Delta auf, als Optionsscheine, die aus dem Geld sind. Das bedeutet, dass der Kursrücksetzer im DAX® über das starke Delta des Call-Optionsscheines dessen Prämie stark negativ beeinflusst, während der Put-Optionsschein durch sein schwächeres Delta eine nur geringe positive Veränderung erfährt. Verschärft wird dieser Effekt zusätzlich dadurch, dass momentan, bei einem Einstieg am Ausübungspreis, das Delta von dem „normalen“ Wert von 0.50, bzw. -0,50 abweicht. Lesen Sie hierzu unseren Artikel zur Delta-Abweichung.

Jetzt zur impliziten Volatilität: Dieser Sachverhalt ist einfach beschrieben. Sinkt die implizite Volatilität, reduziert sich die Optionsscheinprämie. Genau das ist hier passiert. In der Vergangenheit veränderte sich die implizite Volatilität oft nahezu identisch für Call- und Put-Optionsscheine. In der aktuellen Marktphase ist zu beobachten, dass die implizite Volatilität isoliert pro Optionsschein verändert wird. So kann es passieren, dass der Call-Optionsschein 2 % Volatilität verliert, während der Put-Optionsschein nahezu unverändert bleibt.

Auf den ersten Blick scheint dies kein Nachteil zu sein – wäre es für den Straddle doch deutlich schlechter, wenn beide Optionsscheine Volatilität verlieren würden. Das ist jedoch etwas zu kurz gedacht. Die getrennte Veränderung der Volatilität kann ein deutlicher Nachteil sein. Würde zum Beispiel die Volatilität des einen Scheines steigen, während die des anderen Scheines um den selben Wert fällt, würde sich die Auswirkung der Volatilität über ein angenommen identisches Vega auf die Optionsscheinprämien gegenseitig aufheben. Der Straddle würde von der Veränderung der Volatilität nicht profitieren können.

Auch wenn die geniale Einfachheit eines Straddles den einen oder anderen Händler zu der Ansicht verleitet, dass der Straddle eine „eingebaute Gewinngarantie“ hat – Das ist nicht so! Auch bei einem Straddle ist Expertise gefragt. Und selbst wenn diese vorhanden ist, schützt das nicht vor einzelnen Verlusten.

Wie verfahren wir weiter? Wir lassen die Position im Markt. Es ist gut möglich, dass der Straddle noch etwas weiter abtaucht. Aktuell steht er bei etwa -1 % bezogen auf den Depotwert. Selbst wenn sich dieser Verlust noch auf zwei oder drei Prozent ausweitet, ist das kein Problem. Aktiendepots haben in den letzten Monaten nicht selten bis zu 40 % verloren. Die Laufzeit der Optionsscheine ist noch sehr lang. Selbst vor dem Hintergrund, dass diese wegen des zunehmenden Theta spätestens drei Monate vor dem Ausübungstag verkauft werden sollten, haben wir bis August Zeit. Setzt der DAX® bis dahin seine Aufwärtsbewegung fort, wird der Straddle seine aktuellen Verluste wieder abbauen. Was aber viel wichtiger ist: Gibt es doch noch eine zweite Abwärtswelle, werden wir, im Gegensatz zu einem Aktiendepot, auch hiervon profitieren.

Das Glattstellen der Position ist derzeit nicht sinnvoll, weil wir dann von einer zukünftigen Bewegung nicht profitieren könnten. Unterstellen wir eine zunächst weiter fallende implizite Volatilität, würde jeder neu positionierte Straddle auch erst einmal an Wert verlieren. An der aktuellen Situation würde sich also nichts ändern.

Es ist alles so wie immer. Auch wenn der Start dieses Straddles etwas „verpatzt“ ist, ändert das nichts daran, dass wir von einer ausreichend großen Aufwärts- oder Abwärtsbewegung des Basiswertes zukünftig profitieren werden. Mit weiteren Positionierungen werden wir uns erst einmal zurückhalten. Eventuelle Marken hierfür sind 11.500 Punkte oder knapp ober halb 10.000 Punkte.

Wir schauen nicht einfach nur zu. Wir bewerten die Lage täglich neu und treffen Entscheidungen. Manchmal lautet die Entscheidung, keine weitere Entscheidung treffen zu müssen. Wir halten Sie auf dem Laufenden.