Unser Handelstag | 04.12.2019

Das sollte nicht passieren.
Tagesergebnis: -0,01 %

Der erste Trade des Tages war eine Short-Position in BMW. Der Titel hatte sich heute aufgrund guter Branchenvorgaben aus den USA innerhalb seiner üblichen Volatilität gut erholt. Der Chart ließ die Möglichkeit einer Short-Position zu. Wir positionierten uns. Mit der nächsten Kerze stieß der Kurs jedoch gleich durch den Stop-Loss.

Würden wir es der großen Mehrheit der Analysten und vermeintlichen Börsen-Gurus gleich tun, würden wir Ihnen jetzt wortgewandt erklären, warum unsere Entscheidung, an dieser Stelle in den Markt zu gehen, selbstverständlich die einzig richtige war und warum es natürlich nicht an uns sondern an den äußeren Umständen lag, dass der Plan nicht aufgegangen ist.

Wir stehen in diesem Blog für Transparenz und für Ehrlichkeit. Deshalb gibt es hier die ungeschminkte Wahrheit, auch wenn diese manchmal etwas weh tut. Der Einstieg geschah zu früh. Was wir übersehen haben, war der Termin für die Verkündung zweier Konjunkturdaten um 09:55 und und um 10:00 Uhr. Bei der Vorbereitung des Handelstages hatten wir diese zwar auf dem Schirm, bei der Planung der Position waren sie aber vergessen worden. Die Daten fielen positiv aus und drückten den DAX auf breiter Front nach oben. Somit wurde selbstverständlich auch BMW auf das nächste Level gehoben, was für uns den Stop-Loss bedeutete. Wer nicht aufpasst, wird bestraft…unsere Schuld, Sorry!

Der zweite Einstieg erfolgte in Fresenius Medical Care (FME). Auch dieser Titel hatte seine Volatilitätsgrenze auf der Oberseite nahezu erreicht. Da hier durchaus die Möglichkeit bestand, dass der Kurs zunächst noch geringfügig nach oben drückt warteten wir in diesem Fall ab, was der Chart uns für Signale gibt. Die Kerze um 11:30 deutete die Richtungsumkehr an. Nachdem die Kerze (10-Minuten-Kerze von 11:40 Uhr bis 11:50 Uhr) um 11:45 Uhr zunächst ein neues Tief markierte und damit den Weg nach unten frei machte, nutzen wir die kurze Erholung nach oben für unseren Einstieg um 11:47 Uhr.

Angesichts der vergleichsweise niedrigen Volatilität von FME und des daraus resultierenden niedrigeren Risikos positionierten wir uns mit einer „doppelten Positionsgröße“. Gewöhnlich nutzen wir rund 10 Prozent unseres Kapitals mit einem Hebel 5, was einem realen Investment von rund 50 Prozent des Kapitals entspricht. Von einer doppelten Positionsgröße sprechen wir, wenn wir 20 Prozent des Kapitals einsetzen. Der tatsächliche Betrag des eingesetzten Kapitals ergibt sich aus dem Hebel des für den Handel verwendeten Derivates. Dieser lag bei knapp 2,5, woraus ein Kapitaleinsatz von rund 45.000 Euro resultierte. Wie wir unsere Positionsgrößen skalieren und was die Bedeutung und der Unterschied von relativen und absoluten Hebeln sind, beschreiben wir ausführlich in unserer kostenlosen Broschüre „Handel mit Derivaten„. Das Lesen lohnt sich!

Das gute Timing und die Bestätigung des Wechsels der Kursrichtung durch die Charttechnik ermöglichten es uns die Position mit einem knappen Stop-Loss zu versehen und trotz des nahe gelegenen Ziels noch ein akzeptables Chance-Risiko-Verhältnis zu erhalten. Wie der Chart zeigt, bewegte sich der Kurs mit den folgenden Kerzen exakt innerhalb der von uns angepeilten Schwankungsbreite.

Die Glattstellung erfolgte nicht auf, sondern nahe der geplanten Zielmarke, weil mittlerweile auch der Blick auf die Uhr für die Position wichtig wurde. Mit drei Stunden Haltedauer war die Position schon recht lange im Markt. Es verblieb nur noch etwa eine Stunde bis zur Eröffnung des amerikanischen Marktes. Dieser sorgt oft noch einmal für einen Impuls in die eine oder andere Richtung. Diesem Risiko wollten wir uns nicht mehr aussetzen und nahmen den Gewinn mit. Dieser reichte im übrigen aus, um den Fehler von heute morgen auszubügeln.

Fazit: Die Unachtsamkeit macht aus einem positiven Tag eine Nullnummer. Statt zwei gute Gewinner einzufahren, wurde der eine Gewinner benötigt, um den einen Verlierer zu kompensieren. Schade. Aber auch wieder der Beweis für die risikoscheuen Anleger, dass der Handel mit Derivaten, bei verantwortungsvollem Umgang mit diesen, auch nicht mehr Risiken birgt, als der Handel mit Aktien.