Unser Handelstag | 02.12.2019

Die wichtigste Komponente beim Derivatehandel ist die konsequente Risikobegrenzung!
Tagesergebnis: +0,06 %

Bevor wir auf das Bild zu diesem Beitrag eingehen ein paar Sätze zu den allgemeinen Rahmenbedingungen des heutigen Tages.

Heute befanden wir uns in einem „Spreizmarkt“. Was ist nach unserer Definition ein „Spreizmarkt“? Wie Sie aus anderen Beiträgen wissen, ist die Volatilität für unser Trading eine wichtige Kenngröße. Wir betrachten hier die durchschnittliche Volatilität der letzten drei Handelstage und vergleichen diese mit der Volatilität des aktuellen Tages. Im Zusammenspiel mit der Charttechnik können wir so Grenzbereiche identifizieren, in denen eine Kurskorrektur wahrscheinlich erscheint.

Von einem „Spreizmarkt“ sprechen wir immer dann, wenn bei der Mehrzahl der beobachteten Titel die Tagesvolatilität höher ist, als die durchschnittliche Volatilität der letzten drei Tage. Eine Eigenart dieses Kursverhaltens ist, dass andere Händler auf einen sich eventuell abzeichnenden Trend aufspringen und auf eine Fortsetzung der Kursbewegung setzen, während andere Händler die neuen Hochs oder Tiefs zur Verlustbegrenzung oder zur Gewinnmitnahme nutzen. Am Aktienmarkt stehen sich diese gegenläufigen Interessen immer gegenüber – sonst gäbe es keine Bewegung, also keine Volatilität. An Tagen mit ansteigender Volatilität werden die Bewegungen aber zunehmend unkalkulierbarer, was dazu führt, dass auch die Charttechnik an Zuverlässigkeit einbüßt.

Das hat zu Folge, dass für ein verantwortungsvolles Handeln Risikobegrenzungen und Gewinnmitnahmen noch akribischer geplant und noch schneller ausgeführt werden müssen.

Das Bild zu diesem Beitrag zeigt ihnen heute zwei Charts: RWE und HeidelbergCement. Unser erster Trade in RWE zeigt einen Long-Einstieg. Die Volatilität bewegte sich im Grenzbereich und der Kurs lief eine Horizontalmarke an. Nach einer kurzen Korrektur entschied sich der Titel weiter nach unten zu laufen. Der Stop-Loss wurde bewusst eng gesetzt, da davon auszugehen war, dass die Abwärtsbewegung deutlich weiter führen könnte, falls dieses Kurslevel nach unten durchbrochen würde. So war es dann auch. Nachdem wir die Position bei 26,38 Euro aus dem Markt nahmen, fiel Kurs bis auf 25,80 Euro. Das Derivat kauften wir für 5,74 Euro und verkauften es für 5,62 Euro, der Kursverlust betrug also 0,12 Euro. Auf dem Tiefstkurs hätte sich dieser Verlust auf 0,61 Euro verfünffacht! Das hätte für das Gesamtdepot einen Schaden von rund 1,2 % bedeutet. Das konsequente Risikomanagement und das Einhalten des Stop-Loss haben diesen Schaden verhindert.

Der zweite Trade in HeidelbergCement war eine Short-Position. Die Ausgangssituation war ähnlich. Der Kurs korrigierte zeitnah. Das ursprüngliche Ziel lag bei 67,80 Euro. Während die Position im Markt war, zogen wir das Ziel jedoch etwas näher auf die Unterstützungsmarke bei 68,14 Euro und stellten die Position dort exakt auf dem Zwischentief glatt. Wer hier den weiteren Kursverlauf außerhalb unseres Screenshots verfolgt, wird feststellen, dass das ursprünglich geplante Ziel tatsächlich in einer erneuten Abwärtsbewegung erreicht worden wäre. Der Gewinn hätte also doppelt so hoch ausfallen können.

Wir werden gerne gefragt, warum wir Positionen bei dieser oder jener Gelegenheit glatt gestellt haben. Interessanterweise hinterfragt niemand eine Glattstellung auf einem Stop-Loss, der im Anschluss weiter durchschlagen wurde. Gefragt wird immer nur nach Positionen, die nach der Glattstellung höhere Gewinne abgeworfen hätten.

Der heutige Tag liefert mal wieder die perfekte Antwort auf diese Frage. Wir können uns Vorteile für geeignete Einstiege errechnen oder charttechnisch erarbeiten. Niemals können wir aber den Ausgang eines Trades garantieren. Weder das Aussitzen von Verlusten noch das Hoffen auf weitere Gewinne ist zielführend. Wären wir heute mit unseren beiden Positionen nach dem „Prinzip Hoffnung“ verfahren und im Markt geblieben, hätte sich der Gewinn bei HeidelbergCement etwa verdoppelt, während sich der Verlust bei RWE etwa verfünffacht hätte. Unterm Strich wäre ein sattes Minus heraus gekommen.

Die wichtigsten Komponenten beim Derivatehandel sind und bleiben die konsequente Risikobegrenzung und das Mitnehmen von Gewinnen, wenn sich dieses anbietet! Das Einhalten unserer Regeln und die Mitnahme eines (Teil-)Gewinns führten zu einer schwarzen Null.