Cash ist ohne Risiko!

Manch ein Beobachter mag sich vielleicht schon die Frage gestellt haben ob wir im Urlaub sind. Nein. Wir haben täglich den Finger am Puls des Marktes.

Allerdings fühlen wir uns bei der aktuellen Gemengelage nicht wohl. Einerseits hat sich in den letzten Tagen die Volatilität verringert, andererseits bestehen einige latente Risiken, die zu unerwarteten Ausschlägen in die eine oder andere Richtung führen können. Erwähnenswert sind hier Schlagwörter wie Brexit, Handelskrieg, Hongkong, Zinsen, Konjunktur oder Rezession. Dass Italien seit 1945 jetzt die 66. Regierung bildet, fällt da kaum noch ins Gewicht. Die Italiener sind wohl auch eher kurzfristig unterwegs, das ist nichts Neues.

Zinsveränderungen und Konjunkturdaten unterschiedlicher Güte gibt es laufend. Auch Brexit und Handelskrieg begleiten uns schon eine ganze Weile. Die Summe von allem macht derzeit jedoch einige Marktteilnehmer nervös oder sorgt zumindest für Zurückhaltung. Wird eine Baustelle geschlossen, bedeutet das noch lange nicht eine nachhaltig positive Perspektive.

Dennoch muss trotz latenter Risiken das billige Geld irgendwo untergebracht werden. In Ermangelung sinnvoller Alternativen fließt es in den Kapitalmarkt. Auch Kapitalsammelstellen, wie zum Beispiel Versicherungsunternehmen, müssen eingesammeltes Geld in teils beachtlichen Beträgen investieren.

Während also einige Punkte für mögliche und deutliche Kursrückschläge sprechen, besteht durch den zwangsweisen Kapitalzufluss trotzdem Potential nach oben – und das alles bei verringerter Volatilität in einem kurzfristigen Seitwärtsmarkt. Eine verzwickte Lage.

Ich werde nicht müde zu betonen, dass Sicherheit unser oberstes Gebot ist. Mit Derivaten können Verlustpositionen nicht ausgesessen werden. Deshalb prüfen wir unsere Chancen vor jedem Einstieg. Ist die Wahrscheinlichkeit für die von uns antizipierte Bewegung hoch genug? Ist das Kursziel ausreichend und realistisch? Steht der mögliche Gewinn im Verhältnis zum möglichen Verlust? Wie lange wird die voraussichtliche Haltedauer sein? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit für unerwartete Kurskorrekturen während der Haltedauer?

Kommen wir bei der Beantwortung dieser Kernfragen nicht zu einem akzeptablen Ergebnis, gehen wir keine Position ein. Aktuell können wir die erste Frage nach wie vor meistens positiv beantworten. Wendemarken sind und bleiben Wendemarken. Knappe Kursziele bei einer Haltedauer von mehreren Stunden mit dem Risiko zwischenzeitlicher, markanter Korrekturen führen aber letztendlich in den meisten Fällen zu einer Entscheidung gegen eine Positionierung.

Ist das schlecht für das Depot? Nein. Das Gegenteil ist der Fall. Der Blick auf das Bild zu diesem Beitrag zeigt, dass der DAX seit unserem letzten aktiven Handelstag knapp 2,5 % gewonnen hat, während er zwischenzeitlich ebenso viel verloren hat.

In anderen Märkten und auch in vielen Einzeltiteln sieht das ähnlich aus. Deshalb treten auch andere wikifolios, die nicht in Derivate investieren, derzeit nahezu auf der Stelle. Allerdings mit einem wichtigen Unterschied: Die meisten wikifolios sind fortwährend mit dem gesamten Kapital im Markt investiert. Sie nutzen hiermit zwar die Chance auf Gewinne, bieten aber auch jederzeit Angriffsfläche für Rückschläge. Im Moment „geht alles noch mal gut“. Aber was erwartet uns zukünftig? Dass das auch ins Auge gehen kann, belegt die Vergangenheit mit Drawdowns von teilweise 20 % und mehr und  monate- oder jahrelangen Erholungsphasen.

In den letzten Tagen haben wir auf – für ein Derivate-Portfolio – marginale Gewinne verzichtet und das Kapital keinem Risiko ausgesetzt. Unser Ziel hat sich nicht geändert: Kurzfristige Gewinne bei geringem Risiko. Damit beabsichtigen wir uns auch zukünftig von unseren Wettbewerbern abzusetzen.