24.02.2020 | Deutsche Börse AG

Positionierung vor Bekanntgabe von Geschäftszahlen.

Für die Deutsche Börse stand am 17. Februar nach Handelsschluss die Bekanntgabe der Zahlen für das vergangene Jahr im Kalender. Bereits während des laufenden Handelstages führt dies zu einer starken Aufwärtsbewegung.

Die von uns in den Morgenstunden eingegangene Position brachte dies aber noch nicht weit genug in den Gewinn, als dass es sich gelohnt hätte die Position intraday glattzustellen. Dies war aber auch nicht unser Ziel, da wir den Blick auf die Kursentwicklung am folgenden Handelstag richteten.

Der Titel eröffnete mit einem massiven Abwärts-Gap. Rechnerisch hätte das gereicht, um die Position mit Gewinn aus dem Markt zu nehmen. Technisch war dies allerdings kaum möglich, da die Kursstellung in der dynamischen Eröffnungsphase unzureichend war und der Spread zu hoch war. Im Laufe des Tages wurde das anfängliche Gap komplett einkassiert, sodass unsere Position keinen lohnenswerten Gewinn mehr aufwies.

Die anschließende Aufwärtsbewegung 19. Februar brachte auch auf der Oberseite kein zufriedenstellendes Ergebnis. Aufwärtsbewegungen wirken sich auf die implizite Volatilität eines Optionsscheines in der Regel schwächer aus als Abwärtsbewegungen. Umso erfreulicher war am Abend das Chartbild, welches mit einer als Sternschnuppe bezeichneten Tageskerze anzeigte, dass die Luft nach oben dünn war. Folgerichtig korrigierte der Titel am darauffolgenden Tag nach unten. Charttechnisch war die Abwärtsbewegung weiterhin das bevorzugte Szenario.

Zwei Tage später, am 24. Februar, erreichte der Titel die Marke von 152 Euro, welche auch unser Ziel darstellte. Die Glattstellung der Position erfolgte mit einem Gewinn von 1.040 Euro.

24.02.2020 | Allianz AG

Positionierung vor Bekanntgabe von Geschäftszahlen.

Bereits seit dem 5. Februar drückte der Kurs der Allianz-Aktie nach oben. Es gelang das Hoch bei 225 Euro zu überwinden. Nach oben hatte sich der Titel damit Luft verschafft, auf der Unterseite ließ sich eine Unterstützung bei etwa 222 Euro ausmachen.

Um ausreichend Spielraum für eine profitable Bewegung zu schaffen, warteten wir noch bis zum 12. Februar. Zwar sah es für den Titel aktuell gut aus, da einige positive Meldungen den Kurs weiter Richtung Norden trieben und ein neues Hoch erreicht wurde, dennoch war auch das Szenario eines Rücksetzers durchaus möglich.

Wichtig für eine Straddle-Position ist es, ausreichend Bewegungsfreiheit zu haben. Da auf der Oberseite kein Hindernis mehr erkennbar war, galt unser Augenmerk der Unterseite. Aus diesem Grund warteten wir ab, bis der Kurs bei rund 230 Euro lag, bevor wir unsere Position in den Markt gaben. Das Ziel auf der Unterseite mit rund 222 Euro war nun rechnerisch ausreichend. Würde sich der Kurs in diese Richtung entwickeln, würde die Preisentwicklung des Put-Optionsscheines zusätzlich durch eine schneller steigende Volatilität positiv beeinflusst werden.

Mit Blick auf die Bekanntgabe der 2019er Zahlen lief der Titel zunächst lustlos aufwärts, was die Gesamtposition zunächst etwas mehr als ein Prozent in den Verlust drückte. Da trotz guter Zahlen und eines angekündigten Aktienrückkaufes mit einem Volumen von 1,5 Mrd. Euro keine weitere signifikante Aufwärtsbewegung stattfand, zogen sich einige Investoren zurück und machten Kasse. Dies führte zu der von uns präferierten Abwärtsbewegung und erlaubte uns die Position mit einem Gewinn von 2.400 Euro bereits auf dem Kurslevel von rund 224 Euro glatt zu stellen.

19.02.2020 | Deutsche Telekom AG

Positionierung vor Bekanntgabe von Geschäftszahlen.

Am 11. Februar stimmten die US-Richter der Fusion der Telekom-Tochter T-Mobile mit Sprint zu.  Gerüchte über diese zu erwartende Entscheidung zugunsten der Telekom, ließ den Titel bereits am 11. Februar mit einem Aufwärts-Gap öffnen.

Innerhalb der nächsten Tage kam es zu einer Konsolidierung zwischen 15,40 Euro und 15,60 Euro, was eine Reduzierung der Volatilität mit sich brachte. Am 14. Februar entschieden wir uns für eine Positionierung. Unsere Erwartung war, dass es spätestens am 19. Februar zu einem weiteren Kurs-Ausschlag kommen würde, da zu diesem Termin die Jahreszahlen für 2019 bekannt gegeben werden sollten.

Für die Straddle-Strategie ist es nicht entscheidend, ob die zu erwartende Bewegung aufwärts oder abwärts gerichtet ist. Entscheidend ist einzig, dass eine ausreichende Bewegung stattfindet. Diese Bewegung kam, wie erwartet am 19. Februar. Der Call-Optionsschein konnte den Put-Optionsschein überkompensieren, was in Summe zu einem Gewinn von 2.100 Euro führte.

Welchen Mehrwert bieten Analysen?

Haben auch Sie schon mal den Bericht eines Analysten gelesen oder im Fernsehen verfolgt, der Ihnen stolz erklärt, dass er eine jetzt eingetretene Entwicklung bereits vor langer Zeit vorausgesehen hat? Ärgern Sie sich, dass Sie eine Chance verpasst haben, weil Sie dem Rat des Analysten nicht gefolgt sind oder ihn einfach übersehen haben, weil sie die falsche Zeitung lesen? Keine Sorge – es lohnt nicht sich zu ärgern!

Wir machen keinen Hehl daraus, dass wir zu Analystenmeinungen ein gespaltenes Verhältnis haben. Bevor wir darauf detaillierter eingehen, gilt es aber erst einmal eine Abgrenzung vorzunehmen. Zu differenzieren ist zwischen „echten“ Analysten und denjenigen, die sich zwar so nennen, ihr Wissen aber aus zweiter oder dritter Hand beziehen.

Echte Analysten kommunizieren Auge in Auge mit den Verantwortlichen eines Unternehmens. Sie holen sich Antworten auf Ihre Fragen aus erster Hand und werten Unternehmensunterlagen aus. Auf dieser Basis erstellen sie eine fundierte Analyse und versuchen die weitere Entwicklung zu prognostizieren.

Ein großer Teil der „Analysen“, die in einschlägigen Printmedien oder Onlineportalen zur Verfügung stehen, stammt leider aus der Feder – unserer Meinung nach – selbsternannter Analysten, die ihrerseits verschiedene Meinungen zu einem Unternehmen recherchieren und daraus einen Artikel schreiben, den sie dann Analyse nennen.

Auch wenn die Trefferquote bei den echten Analysten etwas besser erscheint, weil sie über eine bessere Datenbasis verfügen, so gilt für sie, wie auch für die selbsternannten Analysten vor allem eines: Niemand kann alle Unwägbarkeiten berücksichtigen oder gar voraussehen.

Weiterhin gilt es zu differenzieren zwischen fundamentalen Analysten und technischen Analysten. Fundamentale Analysten nutzen fundamentale Daten, um eine meist mittel- oder langfristige Prognose zu erstellen. Technische Analysten schauen auf Charts und Indikatoren, um weitere Kursverläufe zu prognostizieren. Der Zeitraum kann hier zwischen kurz- und langfristig liegen.

Insbesondere bei den technischen Analysten werden die Analysen oft im Stil eines Horoskopes verfasst. Die Formulierungen sind häufig vage und schaffen einen Interpretationsspielraum, in dem sich fast jede zukünftige Entwicklung abbilden lässt. Gerne wird der Konjunktiv verwendet, um aufzuzeigen, dass etwas möglich ist. Explizit Stellung bezogen wird nur sehr selten.

Oft bilden drei Elemente die Kernaussage: Eine Aufwärtsbewegung könnte sich etablieren, wenn der Kurs eine bestimmte Marke überschreitet. Eine Abwärtsbewegung könnte sich etablieren, wenn der Kurs eine bestimmte Marke unterschreitet. Sollte dies beides nicht geschehen, könnte sich der Kurs weiter seitwärts bewegen. Hier werden drei Wahrscheinlichkeiten in Aussicht gestellt, von denen eine durchaus die Chance hat auch wirklich einzutreten. Der Analyst kann also stolz vor sein Publikum treten und behaupten, dass er das exakt so vorausgesehen hat.

Was aber passiert, wenn der Kurs tatsächlich die angepeilte Marke überschritten hat, die Prognose aber nicht eingetreten ist, weil er danach nicht weiter gestiegen, sondern gefallen ist? Außer, dass Ihr Investment den Bach herunter gegangen ist – Gar nichts. Der Analyst tritt mit diesem Ergebnis einfach nicht an die Öffentlichkeit. Er schreibt die nächste Analyse und hofft darauf, dass er bei dieser mehr Glück hat.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Analysen fast nie konkrete Zeitrahmen abstecken. Als Trader oder Investor haben Sie aber einen Zeitrahmen. Dieser kann je nach Strategie und Zweck des Investments Tage, Monate oder Jahre betragen. Die vage Aussicht, dass Sie vielleicht irgendwann einmal einen Gewinn erzielen können, ist wenig zweckdienlich.

Auch der Zweck von Analysen und deren Verbreitung sollte genauer betrachtet werden. Denken Sie einfach mal darüber nach, warum es überhaupt Analysten und ihre Analysen gib. Und was noch wichtiger ist: Warum werden Analysen veröffentlicht?

Stellen Sie sich vor, Sie wären ein begnadeter Analyst in Diensten eines großen Hedgefonds. Sie analysieren ein Unternehmen und stellen fest, dass sich eine gigantische Investment-Chance bietet. Sie berichten Ihrem Chef von dieser Entdeckung. Was wird dieser wohl sagen? „Gut gemacht, das müssen wir unbedingt sofort verbreiten.“? Oder wird er Ihnen dringend dazu raten den Mund zu halten, weil der Hedgefonds erst einmal so viele Anteile an dem Unternehmen erwerben möchte, wie nur irgendwie möglich, bevor auch andere diese Chance entdecken und die Nachfrage den Aktienkurs nach oben treibt? Die Antwort liegt auf der Hand.

Was lehrt uns das? Wenn die Analyse auf unserem Schreibtisch liegt, ist der Drops gelutscht. Es gibt nur noch einen Grund die Analyse zu veröffentlichen und dafür zu sorgen dass dieses Unternehmen von nun an in aller Munde ist: Der anschließende Hype soll den Kurs weiter nach oben katapultieren – nachdem der Hedgefonds, der den Analysten bezahlt, investiert ist. Bei genauer Betrachtung führt die Veröffentlichung zu einer legalen, gewollten Manipulation des Marktes. Diese Analysen erkennen Sie übrigens häufig daran, dass hier deutlich seltener der Konjunktiv verwendet wird. Wenn es das Ziel ist, den Kurs zu treiben, dann ist es sinnvoller zu schreiben, dass der Kurs steigen wird anstatt dass er steigen könnte. Die Erkenntnis hieraus: Werden in einer Analyse klare Aussagen getroffen, ist es häufig eine als Analyse getarnte Werbung mit einer klaren Absicht.

Andere Gründe dafür, dass es Analysen gibt, sind ungleich banaler. Der professionelle Analyst verdient sein Geld damit. Und einige der selbsternannten Analysten streicheln einfach ihr Ego dadurch, dass sie ihren Namen im Internet lesen können, oft sogar unentgeltlich.

Fazit: Analysen sagen Ihnen, dass irgendetwas passieren könnte, niemand weiß aber genau wann. Die „Helden des Tages“ sind immer diejenigen Analysten, die gerade das Glück hatten, richtig getippt zu haben. Die wirklich wichtigen Informationen erreichen den privaten Anleger ohnehin immer zu spät oder dienen dazu ihn zu manipulieren.

Einen Nutzen haben technische und fundamentale  Analysen aber dennoch. Wenn genug, vor allem namenhafte Analysten (Das sind diejenigen, die öfter Glück hatten als ihre Kollegen) in dasselbe Horn stoßen, bilden sie damit eine Meinung in der Masse. Das führt zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Denn wenn die Masse einer Ansicht eines oder mehrerer Analysten folgt, wird das eintreten, was prognostiziert wurde. Diese Gelegenheit kann genutzt werden, um eine Weile auf dieser Welle mit zu schwimmen. Aber Vorsicht: Die großen Mitspieler und die Manipulatoren sitzen schon am Abzug und warten nur noch auf den richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg.

Mit unserem Trading setzen wir deshalb nicht direkt auf (oft wenig aussagekräftige) Analysen, sondern indirekt auf die Auswirkungen von Analysen. Setzt sich eine Meinung durch, wird dies im Chart ersichtlich. Das ist der optimale Nährboden für unsere Straddle-Strategie. Gerät ein Kurs durch die Meinung der Masse in Bewegung, kommt es sehr schnell zu Reaktionen an markanten Kursleveln. Es ist also nicht die Analyse, die wichtig ist, sondern die Bewegung, die daraus resultiert. Und hiermit kommen wir zurück zum Anfang: Es ist dann in der Tat egal, ob der Kurs sich aufwärts, abwärts oder seitwärts bewegt – wichtig ist, dass er sich bewegt und ein wenig Volatilität entwickelt. Danke, lieber Analyst!