Welchen Mehrwert bieten Analysen?

Haben auch Sie schon mal den Bericht eines Analysten gelesen oder im Fernsehen verfolgt, der Ihnen stolz erklärt, dass er eine jetzt eingetretene Entwicklung bereits vor langer Zeit vorausgesehen hat? Ärgern Sie sich, dass Sie eine Chance verpasst haben, weil Sie dem Rat des Analysten nicht gefolgt sind oder ihn einfach übersehen haben, weil sie die falsche Zeitung lesen? Keine Sorge – es lohnt nicht sich zu ärgern!

Wir machen keinen Hehl daraus, dass wir zu Analystenmeinungen ein gespaltenes Verhältnis haben. Bevor wir darauf detaillierter eingehen, gilt es aber erst einmal eine Abgrenzung vorzunehmen. Zu differenzieren ist zwischen „echten“ Analysten und denjenigen, die sich zwar so nennen, ihr Wissen aber aus zweiter oder dritter Hand beziehen.

Echte Analysten kommunizieren Auge in Auge mit den Verantwortlichen eines Unternehmens. Sie holen sich Antworten auf Ihre Fragen aus erster Hand und werten Unternehmensunterlagen aus. Auf dieser Basis erstellen sie eine fundierte Analyse und versuchen die weitere Entwicklung zu prognostizieren.

Ein großer Teil der „Analysen“, die in einschlägigen Printmedien oder Onlineportalen zur Verfügung stehen, stammt leider aus der Feder – unserer Meinung nach – selbsternannter Analysten, die ihrerseits verschiedene Meinungen zu einem Unternehmen recherchieren und daraus einen Artikel schreiben, den sie dann Analyse nennen.

Auch wenn die Trefferquote bei den echten Analysten etwas besser erscheint, weil sie über eine bessere Datenbasis verfügen, so gilt für sie, wie auch für die selbsternannten Analysten vor allem eines: Niemand kann alle Unwägbarkeiten berücksichtigen oder gar voraussehen.

Weiterhin gilt es zu differenzieren zwischen fundamentalen Analysten und technischen Analysten. Fundamentale Analysten nutzen fundamentale Daten, um eine meist mittel- oder langfristige Prognose zu erstellen. Technische Analysten schauen auf Charts und Indikatoren, um weitere Kursverläufe zu prognostizieren. Der Zeitraum kann hier zwischen kurz- und langfristig liegen.

Insbesondere bei den technischen Analysten werden die Analysen oft im Stil eines Horoskopes verfasst. Die Formulierungen sind häufig vage und schaffen einen Interpretationsspielraum, in dem sich fast jede zukünftige Entwicklung abbilden lässt. Gerne wird der Konjunktiv verwendet, um aufzuzeigen, dass etwas möglich ist. Explizit Stellung bezogen wird nur sehr selten.

Oft bilden drei Elemente die Kernaussage: Eine Aufwärtsbewegung könnte sich etablieren, wenn der Kurs eine bestimmte Marke überschreitet. Eine Abwärtsbewegung könnte sich etablieren, wenn der Kurs eine bestimmte Marke unterschreitet. Sollte dies beides nicht geschehen, könnte sich der Kurs weiter seitwärts bewegen. Hier werden drei Wahrscheinlichkeiten in Aussicht gestellt, von denen eine durchaus die Chance hat auch wirklich einzutreten. Der Analyst kann also stolz vor sein Publikum treten und behaupten, dass er das exakt so vorausgesehen hat.

Was aber passiert, wenn der Kurs tatsächlich die angepeilte Marke überschritten hat, die Prognose aber nicht eingetreten ist, weil er danach nicht weiter gestiegen, sondern gefallen ist? Außer, dass Ihr Investment den Bach herunter gegangen ist – Gar nichts. Der Analyst tritt mit diesem Ergebnis einfach nicht an die Öffentlichkeit. Er schreibt die nächste Analyse und hofft darauf, dass er bei dieser mehr Glück hat.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Analysen fast nie konkrete Zeitrahmen abstecken. Als Trader oder Investor haben Sie aber einen Zeitrahmen. Dieser kann je nach Strategie und Zweck des Investments Tage, Monate oder Jahre betragen. Die vage Aussicht, dass Sie vielleicht irgendwann einmal einen Gewinn erzielen können, ist wenig zweckdienlich.

Auch der Zweck von Analysen und deren Verbreitung sollte genauer betrachtet werden. Denken Sie einfach mal darüber nach, warum es überhaupt Analysten und ihre Analysen gib. Und was noch wichtiger ist: Warum werden Analysen veröffentlicht?

Stellen Sie sich vor, Sie wären ein begnadeter Analyst in Diensten eines großen Hedgefonds. Sie analysieren ein Unternehmen und stellen fest, dass sich eine gigantische Investment-Chance bietet. Sie berichten Ihrem Chef von dieser Entdeckung. Was wird dieser wohl sagen? „Gut gemacht, das müssen wir unbedingt sofort verbreiten.“? Oder wird er Ihnen dringend dazu raten den Mund zu halten, weil der Hedgefonds erst einmal so viele Anteile an dem Unternehmen erwerben möchte, wie nur irgendwie möglich, bevor auch andere diese Chance entdecken und die Nachfrage den Aktienkurs nach oben treibt? Die Antwort liegt auf der Hand.

Was lehrt uns das? Wenn die Analyse auf unserem Schreibtisch liegt, ist der Drops gelutscht. Es gibt nur noch einen Grund die Analyse zu veröffentlichen und dafür zu sorgen dass dieses Unternehmen von nun an in aller Munde ist: Der anschließende Hype soll den Kurs weiter nach oben katapultieren – nachdem der Hedgefonds, der den Analysten bezahlt, investiert ist. Bei genauer Betrachtung führt die Veröffentlichung zu einer legalen, gewollten Manipulation des Marktes. Diese Analysen erkennen Sie übrigens häufig daran, dass hier deutlich seltener der Konjunktiv verwendet wird. Wenn es das Ziel ist, den Kurs zu treiben, dann ist es sinnvoller zu schreiben, dass der Kurs steigen wird anstatt dass er steigen könnte. Die Erkenntnis hieraus: Werden in einer Analyse klare Aussagen getroffen, ist es häufig eine als Analyse getarnte Werbung mit einer klaren Absicht.

Andere Gründe dafür, dass es Analysen gibt, sind ungleich banaler. Der professionelle Analyst verdient sein Geld damit. Und einige der selbsternannten Analysten streicheln einfach ihr Ego dadurch, dass sie ihren Namen im Internet lesen können, oft sogar unentgeltlich.

Fazit: Analysen sagen Ihnen, dass irgendetwas passieren könnte, niemand weiß aber genau wann. Die „Helden des Tages“ sind immer diejenigen Analysten, die gerade das Glück hatten, richtig getippt zu haben. Die wirklich wichtigen Informationen erreichen den privaten Anleger ohnehin immer zu spät oder dienen dazu ihn zu manipulieren.

Einen Nutzen haben technische und fundamentale  Analysen aber dennoch. Wenn genug, vor allem namenhafte Analysten (Das sind diejenigen, die öfter Glück hatten als ihre Kollegen) in dasselbe Horn stoßen, bilden sie damit eine Meinung in der Masse. Das führt zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Denn wenn die Masse einer Ansicht eines oder mehrerer Analysten folgt, wird das eintreten, was prognostiziert wurde. Diese Gelegenheit kann genutzt werden, um eine Weile auf dieser Welle mit zu schwimmen. Aber Vorsicht: Die großen Mitspieler und die Manipulatoren sitzen schon am Abzug und warten nur noch auf den richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg.

Mit unserem Trading setzen wir deshalb nicht direkt auf (oft wenig aussagekräftige) Analysen, sondern indirekt auf die Auswirkungen von Analysen. Setzt sich eine Meinung durch, wird dies im Chart ersichtlich. Um uns des Risikos mittel- oder langfristiger Unwägbarkeiten zu entledigen, arbeiten wir mit einem sehr kurzen Zeithorizont. Gerät ein Kurs durch die Meinung der Masse in Bewegung, kommt es sehr schnell zu Reaktionen an markanten Kursleveln. Es ist also nicht die Analyse, die wichtig ist, sondern die Bewegung, die daraus resultiert. Und hiermit kommen wir zurück zum Anfang: Es ist dann in der Tat egal, ob der Kurs sich aufwärts, abwärts oder seitwärts bewegt – wichtig ist, dass er sich bewegt. Danke, lieber Analyst!

Unser Handelstag | 04.12.2019

Das sollte nicht passieren.
Tagesergebnis: -0,01 %

Der erste Trade des Tages war eine Short-Position in BMW. Der Titel hatte sich heute aufgrund guter Branchenvorgaben aus den USA innerhalb seiner üblichen Volatilität gut erholt. Der Chart ließ die Möglichkeit einer Short-Position zu. Wir positionierten uns. Mit der nächsten Kerze stieß der Kurs jedoch gleich durch den Stop-Loss.

Würden wir es der großen Mehrheit der Analysten und vermeintlichen Börsen-Gurus gleich tun, würden wir Ihnen jetzt wortgewandt erklären, warum unsere Entscheidung, an dieser Stelle in den Markt zu gehen, selbstverständlich die einzig richtige war und warum es natürlich nicht an uns sondern an den äußeren Umständen lag, dass der Plan nicht aufgegangen ist.

Wir stehen in diesem Blog für Transparenz und für Ehrlichkeit. Deshalb gibt es hier die ungeschminkte Wahrheit, auch wenn diese manchmal etwas weh tut. Der Einstieg geschah zu früh. Was wir übersehen haben, war der Termin für die Verkündung zweier Konjunkturdaten um 09:55 und und um 10:00 Uhr. Bei der Vorbereitung des Handelstages hatten wir diese zwar auf dem Schirm, bei der Planung der Position waren sie aber vergessen worden. Die Daten fielen positiv aus und drückten den DAX auf breiter Front nach oben. Somit wurde selbstverständlich auch BMW auf das nächste Level gehoben, was für uns den Stop-Loss bedeutete. Wer nicht aufpasst, wird bestraft…unsere Schuld, Sorry!

Der zweite Einstieg erfolgte in Fresenius Medical Care (FME). Auch dieser Titel hatte seine Volatilitätsgrenze auf der Oberseite nahezu erreicht. Da hier durchaus die Möglichkeit bestand, dass der Kurs zunächst noch geringfügig nach oben drückt warteten wir in diesem Fall ab, was der Chart uns für Signale gibt. Die Kerze um 11:30 deutete die Richtungsumkehr an. Nachdem die Kerze (10-Minuten-Kerze von 11:40 Uhr bis 11:50 Uhr) um 11:45 Uhr zunächst ein neues Tief markierte und damit den Weg nach unten frei machte, nutzen wir die kurze Erholung nach oben für unseren Einstieg um 11:47 Uhr.

Angesichts der vergleichsweise niedrigen Volatilität von FME und des daraus resultierenden niedrigeren Risikos positionierten wir uns mit einer „doppelten Positionsgröße“. Gewöhnlich nutzen wir rund 10 Prozent unseres Kapitals mit einem Hebel 5, was einem realen Investment von rund 50 Prozent des Kapitals entspricht. Von einer doppelten Positionsgröße sprechen wir, wenn wir 20 Prozent des Kapitals einsetzen. Der tatsächliche Betrag des eingesetzten Kapitals ergibt sich aus dem Hebel des für den Handel verwendeten Derivates. Dieser lag bei knapp 2,5, woraus ein Kapitaleinsatz von rund 45.000 Euro resultierte. Wie wir unsere Positionsgrößen skalieren und was die Bedeutung und der Unterschied von relativen und absoluten Hebeln sind, beschreiben wir ausführlich in unserer kostenlosen Broschüre „Handel mit Derivaten„. Das Lesen lohnt sich!

Das gute Timing und die Bestätigung des Wechsels der Kursrichtung durch die Charttechnik ermöglichten es uns die Position mit einem knappen Stop-Loss zu versehen und trotz des nahe gelegenen Ziels noch ein akzeptables Chance-Risiko-Verhältnis zu erhalten. Wie der Chart zeigt, bewegte sich der Kurs mit den folgenden Kerzen exakt innerhalb der von uns angepeilten Schwankungsbreite.

Die Glattstellung erfolgte nicht auf, sondern nahe der geplanten Zielmarke, weil mittlerweile auch der Blick auf die Uhr für die Position wichtig wurde. Mit drei Stunden Haltedauer war die Position schon recht lange im Markt. Es verblieb nur noch etwa eine Stunde bis zur Eröffnung des amerikanischen Marktes. Dieser sorgt oft noch einmal für einen Impuls in die eine oder andere Richtung. Diesem Risiko wollten wir uns nicht mehr aussetzen und nahmen den Gewinn mit. Dieser reichte im übrigen aus, um den Fehler von heute morgen auszubügeln.

Fazit: Die Unachtsamkeit macht aus einem positiven Tag eine Nullnummer. Statt zwei gute Gewinner einzufahren, wurde der eine Gewinner benötigt, um den einen Verlierer zu kompensieren. Schade. Aber auch wieder der Beweis für die risikoscheuen Anleger, dass der Handel mit Derivaten, bei verantwortungsvollem Umgang mit diesen, auch nicht mehr Risiken birgt, als der Handel mit Aktien.

Unser Handelstag | 03.12.2019

Wenn das Gesamtbild unklar ist…
Tagesergebnis: -0,31 %

…muss man Feierabend machen! Ursprünglich waren wir heute durchaus positiv gestimmt. Nach dem übergeordneten Rücksetzer gestern standen die Chancen für eine Erholung gut.

Für unseren Handel berücksichtigen wir zwar die individuelle Entwicklung einzelner Titel, die „Großwetterlage“ steckt aber doch regelmäßig den Rahmen für unsere übergeordnete Marktmeinung ab. Heute hätten wir ein Long-Szenario bevorzugt. Die Kursanstiege vollzogen sich in den meisten Titeln unmittelbar nach Markteröffnung.

Entsprechend unserem Setup warten wir dann auf Rücksetzer, um einen Einstieg in eine weitere Aufwärtsbewegung zu erhalten. Hierbei setzen wir auf Einstiegsmarken, von denen aus eine gewisse Dynamik für die weitere Kursentwicklung zu erwarten ist. Dies ermöglicht es uns einerseits die Positionen schnell mit einem positiven Vorzeichen zu versehen, andererseits erlaubt es uns knappe Stop-Losses zu setzen und dadurch ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) zu erzielen.

Die heutigen Einstiege in HeidelbergCement und E.ON sahen anfangs gut aus, die Positionen entwickelten sich wie gewohnt zügig von ihren Einstandskursen in die richtige Richtung. HeidelbergCement hatte auch gestern schon gezeigt, wohin der Kurs möchte, bevor der allgemeine Einbruch kam. Auch E.ON sollte sich genug nach unten abgekämpft haben, um auf unserem Einstiegsniveau Dynamik nach oben entwickeln zu können.

Nach der Anfänglich guten Entwicklung legte HeidelbergCement jedoch den Rückwärtsgang ein und korrigierte erneut. Hierbei wurde unser Stop-Loss-Level erreicht und wir mussten die Position glattstellen.

E.ON korrigierte zwar nicht so hart, pendelte aber immer wieder um seinen Einstand. Je länger diese Seitwärtsbewegung anhält, umso unkalkulierbarer wird die Richtung der anschließenden Bewegung. Dieses Verhalten ist bei E.ON immer wieder zu beobachten. Sofern der Kurs nicht von Nachrichten oder übergeordneten Entwicklungen getrieben wird, gleicht die Wahrscheinlichkeit für die eine oder andere Richtung einem Münzwurf. Darauf wollten wir nicht setzen und stellten die Position zum Einstandskurs glatt.

Hätten die Positionen früher oder später geschlossen werden sollen, um sich die Verluste zu ersparen? Nein. 

Die Positionen beim ersten Anzeichen von Gewinnen aus dem Markt zu nehmen verschafft einem Händler zwar temporär ein „gutes Gefühl“, ist aber absolut nicht zielführend. Der Profi weiß, dass dies auf Dauer zu Verlusten führt, weil bei einem schlechten CRV kleine (realisierte) Gewinne großen (möglichen) Verlusten gegenüber stehen. Die Trefferquote, die ein Funktionieren einer solchen Strategie erfordern würde, wäre kaum zu realisieren. Den Ausgang des Münzwurfes abzuwarten und auf eine positive Entwicklung bis zum Handelsende zu hoffen, hätte auch nicht zum Erreichen der Zielmarken geführt, die Positionen wären zwischenzeitlich aber deutlich stärker in den Verlust gelaufen. Beide möglichen Wege sind für uns ohnehin inakzeptabel und entsprechen nicht unserem Risikomanagement.

Der aktuelle Blick auf die Charts zeigt, dass Long-Positionen nach der Markteröffnung im Laufe des Handelstages nur in sehr seltenen Fällen mit einem guten CRV möglich gewesen wären. Vermutlich wird der Markt nun doch wieder tendenziell nach unten drehen. Die Gegenrichtung bietet aber derzeit auch keine klaren Einstiege, da sich unter stochastischer Betrachtung die Kurse gerade irgendwo im Mittelfeld bewegen. Dass hier heute noch gute Marken auf der Oberseite angelaufen werden, die dann bis zum Handelsschluss noch genug Dynamik bringen können, um profitable Short-Positionen zu platzieren, ist unwahrscheinlich. Feierabend für heute…

Unser Handelstag | 02.12.2019

Die wichtigste Komponente beim Derivatehandel ist die konsequente Risikobegrenzung!
Tagesergebnis: +0,06 %

Bevor wir auf das Bild zu diesem Beitrag eingehen ein paar Sätze zu den allgemeinen Rahmenbedingungen des heutigen Tages.

Heute befanden wir uns in einem „Spreizmarkt“. Was ist nach unserer Definition ein „Spreizmarkt“? Wie Sie aus anderen Beiträgen wissen, ist die Volatilität für unser Trading eine wichtige Kenngröße. Wir betrachten hier die durchschnittliche Volatilität der letzten drei Handelstage und vergleichen diese mit der Volatilität des aktuellen Tages. Im Zusammenspiel mit der Charttechnik können wir so Grenzbereiche identifizieren, in denen eine Kurskorrektur wahrscheinlich erscheint.

Von einem „Spreizmarkt“ sprechen wir immer dann, wenn bei der Mehrzahl der beobachteten Titel die Tagesvolatilität höher ist, als die durchschnittliche Volatilität der letzten drei Tage. Eine Eigenart dieses Kursverhaltens ist, dass andere Händler auf einen sich eventuell abzeichnenden Trend aufspringen und auf eine Fortsetzung der Kursbewegung setzen, während andere Händler die neuen Hochs oder Tiefs zur Verlustbegrenzung oder zur Gewinnmitnahme nutzen. Am Aktienmarkt stehen sich diese gegenläufigen Interessen immer gegenüber – sonst gäbe es keine Bewegung, also keine Volatilität. An Tagen mit ansteigender Volatilität werden die Bewegungen aber zunehmend unkalkulierbarer, was dazu führt, dass auch die Charttechnik an Zuverlässigkeit einbüßt.

Das hat zu Folge, dass für ein verantwortungsvolles Handeln Risikobegrenzungen und Gewinnmitnahmen noch akribischer geplant und noch schneller ausgeführt werden müssen.

Das Bild zu diesem Beitrag zeigt ihnen heute zwei Charts: RWE und HeidelbergCement. Unser erster Trade in RWE zeigt einen Long-Einstieg. Die Volatilität bewegte sich im Grenzbereich und der Kurs lief eine Horizontalmarke an. Nach einer kurzen Korrektur entschied sich der Titel weiter nach unten zu laufen. Der Stop-Loss wurde bewusst eng gesetzt, da davon auszugehen war, dass die Abwärtsbewegung deutlich weiter führen könnte, falls dieses Kurslevel nach unten durchbrochen würde. So war es dann auch. Nachdem wir die Position bei 26,38 Euro aus dem Markt nahmen, fiel Kurs bis auf 25,80 Euro. Das Derivat kauften wir für 5,74 Euro und verkauften es für 5,62 Euro, der Kursverlust betrug also 0,12 Euro. Auf dem Tiefstkurs hätte sich dieser Verlust auf 0,61 Euro verfünffacht! Das hätte für das Gesamtdepot einen Schaden von rund 1,2 % bedeutet. Das konsequente Risikomanagement und das Einhalten des Stop-Loss haben diesen Schaden verhindert.

Der zweite Trade in HeidelbergCement war eine Short-Position. Die Ausgangssituation war ähnlich. Der Kurs korrigierte zeitnah. Das ursprüngliche Ziel lag bei 67,80 Euro. Während die Position im Markt war, zogen wir das Ziel jedoch etwas näher auf die Unterstützungsmarke bei 68,14 Euro und stellten die Position dort exakt auf dem Zwischentief glatt. Wer hier den weiteren Kursverlauf außerhalb unseres Screenshots verfolgt, wird feststellen, dass das ursprünglich geplante Ziel tatsächlich in einer erneuten Abwärtsbewegung erreicht worden wäre. Der Gewinn hätte also doppelt so hoch ausfallen können.

Wir werden gerne gefragt, warum wir Positionen bei dieser oder jener Gelegenheit glatt gestellt haben. Interessanterweise hinterfragt niemand eine Glattstellung auf einem Stop-Loss, der im Anschluss weiter durchschlagen wurde. Gefragt wird immer nur nach Positionen, die nach der Glattstellung höhere Gewinne abgeworfen hätten.

Der heutige Tag liefert mal wieder die perfekte Antwort auf diese Frage. Wir können uns Vorteile für geeignete Einstiege errechnen oder charttechnisch erarbeiten. Niemals können wir aber den Ausgang eines Trades garantieren. Weder das Aussitzen von Verlusten noch das Hoffen auf weitere Gewinne ist zielführend. Wären wir heute mit unseren beiden Positionen nach dem „Prinzip Hoffnung“ verfahren und im Markt geblieben, hätte sich der Gewinn bei HeidelbergCement etwa verdoppelt, während sich der Verlust bei RWE etwa verfünffacht hätte. Unterm Strich wäre ein sattes Minus heraus gekommen.

Die wichtigsten Komponenten beim Derivatehandel sind und bleiben die konsequente Risikobegrenzung und das Mitnehmen von Gewinnen, wenn sich dieses anbietet! Das Einhalten unserer Regeln und die Mitnahme eines (Teil-)Gewinns führten zu einer schwarzen Null. 

Unser Handelstag | 29.11.2019

Da braucht man schnelle Finger…
Tagesergebnis: +0,36 %

Zwei Titel hoben sich heute gleich zu Handelsbeginn von ihren DAX-Kollegen deutlich ab: E.ON und Lufthansa. Der massive Ausschlag bei E.ON war den heute vorliegenden Q3-Zahlen geschuldet. Aus diesem Schlagabtausch haben wir uns heraus gehalten.

Ein ähnliches Bild aber eine andere Situation gab es stattdessen bei Lufthansa. Auch hier gab es eine Nachrichtenlage, in diesem Fall unter anderem eine Hochstufung des Titels durch die Credit Suisse. Dies führte in den ersten Minuten des Handels zu einem Kursanstieg, der die gesamte durchschnittliche Volatilität der letzten drei Handelstage in nur einer einzigen Kerze erreichte. Der Gewinn verpuffte aber auch schnell wieder, wie es bei derart guten aber nicht elementaren Nachrichten oft zu beobachten ist.

Der technische, softwarebasierte und automatisierte Teil unseres Setups wies uns ab einem Kurs von knapp über 17,40 Euro auf die mögliche Chance einer gewinnbringenden Short-Position  ab einem Kurslevel von etwa 17,45 Euro hin. Ein solcher Hinweis löst eine immer gleiche und festgelegte Prozedur aus. Es wird noch einmal ein Blick auf den Chart geworfen, das CRV wird überprüft, der Hebel für den zu handelnden Turbo Knock-Out wird aktualisiert um eine Positionsgrößenskalierung vornehmen zu können. Der Turbo wird in die Handelsplattform bei wikifolio eingegeben…und dann wird gewartet, dass „die Ampel Grün anzeigt“.

Diese Zeit gab uns der Titel heute nicht. Die Kursmarke wurde dermaßen schnell erreicht und die Korrektur war so heftig, dass ein Einstieg zum einen nicht mehr lohnte und zum anderen kein gutes CRV mehr geliefert hätte.

Während der Kurs fiel, war aber genug Zeit sich schon einmal Gedanken zu einer möglichen Long-Position zu machen. Der Einstieg erfolgte nach der Korrektur des Kurses bis hin zum Eröffnungskurs. Dort war eine erneute Wendemarke zu erwarten, spätestens aber bei etwa 17,17 Euro. Die Stop-Marke wurde deshalb etwas unterhalb bei 17,14 Euro gesetzt. Auf der Oberseite konnte eine realistisches Ziel bei etwa 17,35 Euro geplant werden. Dies entsprach einem Chance-Risiko-Verhältnis von 2,0.

Für den Handel wurde ein Open-End-Turbo mit einem Hebel von etwa 3,2 gewählt. Da wir gewöhnlich für eine Position 10 Prozent des Depotkapitals mit einem Hebel von fünf handeln wollen, wurde die Positionsgröße wegen des geringeren Hebels entsprechend nach oben skaliert, so dass Derivate für rund 16.700 Euro gekauft wurden.

Mehr zum Thema Handel, Positionsgrößenbestimmumg und Risikomanagement erfahren Sie in unserer Broschüre „Handel mit Derivaten„.

Das Zusammenspiel von Volatilität und Stochastik, welches wir für jeden Titel in Echtzeit errechnen und mit der Charttechnik ergänzen, hat auch hier wieder ein einwandfreies Ergebnis geliefert. Der Einstieg gelang sehr exakt, der Ausstieg erfolgte an der geplanten Marke. Die Position war 16 Minuten im Markt.