Handel mit Derivaten

Derivate-Portfolios schrecken viele Anleger ab. Verständlich, angesichts der Risiken, die Derivate bei unsachgemäßem Einsatz mit sich bringen können. In unserer Broschüre erläutern wir Ihnen unseren Umgang mit Derivaten. Wir zeigen Ihnen, wie durch verantwortungsvolles Handeln Risiken reduziert und Chancen maximiert werden können. Die Broschüre ist für Sie kostenlos.

Die Macht des CRV

Wichtig bei der Planung einer Position ist das Chanche-Risiko-Verhältnis (CRV). Um Ihnen zu verdeutlichen, welche Auswirkungen das CRV langfristig auf ein Depot hat und wie wichtig strikte Risikobegrenzung ist, nutzen wir den oben stehenden Chart.

Diese Position wurde am 14.10.2019 in unserem wikifolio gehandelt. Ausgangssituation war, dass Siemens zur Markteröffnung in die Unterstützungszone zurück setzt um anschließend nach oben zu korrigieren.

Der Einstieg erfolgte im M 10-Chart um 09:55 Uhr. Der Ausstieg erfolgte um 11:22 Uhr nach dem Durchbruch durch die Unterstützung. Die Position wurde im Verlust geschlossen.

Als die Position bei einem Kurs von 98,09 Euro geöffnet wurde, lag das Gewinnziel bei 98,98 Euro. Auf der Unterseite sollte die Position zwischen 97,80 und 97,70 aus dem Markt genommen werden. Glattgestellt wurde bei 97,72 Euro.

Wie errechnet sich das CRV?

Das CRV einer Long-Position errechnet sich indem das Gewinnziel durch das Risikoziel geteilt wird. Das Gewinnziel liegt bei +0,91 % bei einem Kurs von 98,96. Das Risikoziel liegt bei -0,36 % bei einem Kurs von 97,72. Das CRV beträgt also 0,91 % / 0,36 % = 2,53.

Was sagt das CRV aus?

In Kombination mit der Trefferquote der Handelsentscheidungen entscheidet das CRV über Erfolg oder Misserfolg der Handelsstrategie!

Ein Beispiel:

Von 10 gehandelten Positionen mit einem CRP von 2,5 laufen fünf Positionen in das geplante Ziel, die anderen fünf Positionen werden ausgestoppt. Die Trefferquote beträgt somit 50 %
Für eine einfache Beispielrechnung nehmen wir das geplante Ziel mit +2,5 % an, den geplanten Stop mit -1,0 %.
Mit den fünf Gewinnern wird in Summe ein Gewinn in Höhe von 12,5 % (5 x +2,5 %) erwirtschaftet. Die fünf Verlierer verursachen einen summierten Verlust in Höhe von -5,0 % (5 x -1,0 %). Unterm Strich verbleiben +7,5 % Gewinn (12,5 % – 5,0 %).

Risikobegrenzung

Findet eine strikte Risikobegrenzung nicht statt, hat dies Auswirkungen auf das CRV. Wenn wir erneut auf den Siemens-Chart schauen, wäre es ebenso möglich gewesen, dass der Kurs bis zur nächsten Unterstützung fällt. Diese liegt bei etwa 96,60 Euro, 1,51 % unter dem Einstand.

Um das CRV zu ermitteln teilen wir wieder das Gewinnziel durch das Risikoziel: 0,91 % / 1,51 % = 0,60. Der Verlust ist größer als der Gewinn. Werden diese Risiken regelmäßig in Kauf genommen, wird diese Strategie langfristig wahrscheinlich Verluste erwirtschaften. Einige Positionen werden zwar wieder in den Gewinn drehen, wie das hier mit Siemens auch geschehen ist, andere Positionen werden sich aber immer weiter im Verlust eingraben.

Ein Beispiel:

Wir rechnen erneut mit einem Gewinnziel von 2,5 %. Hierfür sind wir bereit 4,17 % Risiko zu tragen. Das CRV beträgt 2,5 / 4,17 = 0,60. Die Trefferquote liegt wieder bei 50 %. 
Fünf Gewinnpositionen bescheren uns einen Gewinn in Höhe von insgesamt +12,5 %. Dem gegenüber stehen fünf Verluste zu je -4,17 %, in Summe -20,85 %. Es ergibt sich ein Gesamtverlust in Höhe von -8,35 %.

Risiken entgegen wirken

Eine Möglichkeit ein niedriges CRV zu kompensieren ist eine höhere Trefferquote. Optimal wäre es, immer genau zu wissen, wann ein Kurs steigt oder fällt. Diese Gabe ist uns leider vorenthalten. Deshalb leben wir mit der Erkenntnis nicht immer auf der richtigen Seite zu stehen. Solange Verluste strikt begrenzt werden, ist das unproblematisch, weil kleinen Verlusten größere Gewinne gegenüber stehen.

Unser Handelstag | 14.10.2019

Markt ohne Richtung
Tagesergebnis: -0,15 %

Nach der Aufwärtsbewegung der letzten Tage, die vor allem den positiven Zeichen im Handelsstreit zwischen den USA und China, wie auch dem Ausblick, dass noch mehr Geld in die Märkte gepumpt und der Kauf von Anleihen fortgesetzt wird, geschuldet ist, erreicht der DAX aktuell sein Hoch vom Juni.

Unsere Einschätzung für den heutigen Tag ist ein minimaler Rücksetzer, der dann als Basis für eine weitere Aufwärtsbewegung dienen kann.

Wir haben vor Handelsbeginn einige DAX-Titel identifiziert, für die dieses Szenario in Frage kommen könnten. Nach der Markteröffnung fallen die meisten Titel unter die von uns vorgesehene Unterstützung. Hierdurch wird das Wunsch-Szenario eliminiert. Zum einen kann kein klarer Wendepunkt mehr definiert werden oder dieser ist so weit entfernt, dass der Titel vor Erreichen ein neues tieferes Tief ausbilden müsste. Zum anderen wirkt die durchstoßene Unterstützung fortan als Widerstand und limitiert die möglichen Gewinne. Letzteres führt zu einem unzureichenden Chance-Risiko-Verhältnis.

Bei Siemens schien der Plan vorerst aufzugehen. Der Titel geriet unmittelbar nach Markteröffnung ins Rutschen, fing sich in der Unterstützungszone und bildete ein Bullish-Engulfing im M 10-Chart aus. Wir nutzen dies zum Einstieg. Das Ziel der Position lag bei knapp unter 99,00 Euro, was sich bei der gewählten Positionsgröße mit etwa 0,45 % Gewinn auf das Gesamt-Depot auswirken sollte.

Im weiteren Verlauf drückte der Titel zwar noch etwas nach unten, korrigierte diese Bewegung aber zeitnah. Gegen 11:30 Uhr fand ein massiver Kursrutsch statt, der ein neues Tief bildete und die Position schlagartig in den Verlust drückte.

In diesem Moment entstehen zwei mögliche Szenarien. Entweder der erneute und heftige Durchbruch durch die Unterstützungszone zieht einen weiteren Kursverlust nach sich oder es erfolgt eine Korrektur. Um die Wahrscheinlichkeit einer Korrektur bewerten zu können, bedarf es weiterer Horizontalmarken, in diesem Fall einer weiteren Unterstützung. Diese ist hier im M 10-Chart vorerst nicht in Sicht. Aus diesem Grund entscheiden wir uns für die Glattstellung der Position und realisieren einen marginalen Verlust.

Der Blick auf den Chart zeigt, dass der Titel sich im weiteren Verlauf erholt und sogar einen Gewinn erzielt hätte. Es ist trotzdem nicht sinnvoll darauf zu hoffen. Ebenfalls ist es unnötig, sich über entgangene Gewinne zu ärgern. Lesen sie hierzu den Artikel „Die Macht des CRV“.

Handelspause

Wir warten auf die Emission!

In den letzten Wochen haben wir das Depot im Cash gehalten, während der DAX, scheinbar losgelöst von der Realität, neue Höchstmarken anpeilte.

Der Rücksetzer Anfang des Monats war überfällig und sollte eigentlich die neue Richtung vorgeben. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass die Verluste innerhalb weniger Tage wieder aufgeholt wurden und das Hoch vom Juni erneut erreicht wurde. Die teilweise recht hohe Volatilität bot in dieser Zeit die eine oder andere gute Chance. Trotzdem hielten wir uns zurück.

Handel „ohne Konsequenzen“ fühlt sich immer an wie Papertrading. Wir sind es gewohnt die Auswirkungen unseres Handelns zu spüren, im Gewinn wie auch im Verlust. Das ist ein elementarer Bestandteil unsere Motivation. Die Emission unseres Zertifikates befindet sich noch in der Prüfung. Wenn diese abgeschlossen ist, können wir endlich unsere eigenen Zertifikate erwerben. Ab dann wird wieder ein regelmäßiger Handel stattfinden. Bis dahin werden wir gelegentlich auf die Charts schauen und eventuell vereinzelt Positionen öffnen.

Also: Entspannen wir uns noch ein paar (hoffentlich wenige) Tage, bevor wir die Ärmel hochkrempeln und wieder richtig Gas geben.

Unser Handelstag | 17.09.2019

Falsche Einschätzung – Erfolgreiches Risikomanagement
Tagesergebnis: -1,63 %

Heute wurde die Bekanntgabe der ZEW-Konjunkturerwartungen erwartet. Dass die hierzu monatlich rund 300 befragten Experten von Banken, Versicherungen und ausgewählten Großunternehmen eine Aufhellung der Situation sahen, war bereits prognostiziert. Auch wenn diese Erwartung bereits eingepreist ist, sollte sie eine gute Basis für risikoarme Long-Positionen bieten. Die ZEW-Daten waren am Ende sogar noch deutlich besser als erwartet. Für einen Anschub der Titel im DAX sorgte dies trotzdem leider nicht.

Die Erwartung eines sich in großen Teilen erholenden DAX trat nicht ein. Entsprechend schlecht waren wir mit unseren Long-Positionen in DAIMLER und INFINEON aufgestellt. Einzig bei ADIDAS bevorzugten wir heute die Short-Seite. Doch auch dieser Plan ging nicht auf.

Die Einstiege erfolgten allesamt regelbasiert bei Erreichen wichtiger Horizontalmarken und wiesen zum Zeitpunkt der Entscheidung für den Einstieg ausreichend Gewinnpotential auf. Auch das Risiko war klar definiert.

Diesem Artikel beigefügt haben wir exemplarisch den INFINEON-Chart. Im kurzfristigen 10-Minuten-Chart befindet sich der Titel in einer Aufwärts/Seitwärts-Bewegung. Der Einstieg wurde kurz nach Markteröffnung mit Erreichen der Unterstützung in einer dynamischen Korrekturbewegung vorgenommen. Im unmittelbaren Anschluss daran kam es aber schon zu einer weiteren Abwärtsbewegung, an die sich eine kurze aber nicht nachhaltige Erholung anschloss.

Dass der Kurs unter eine ursprüngliche Unterstützung fällt, ist immer deshalb problematisch, weil die Unterstützung anschließend zu einem Widerstand für eine Aufwärtsbewegung wird. Der Chart zeigt dieses typische Muster. Die kurzfristige Erholung endet an der ursprünglichen Unterstützung. Als auch die nächste Unterstützung nachhaltig durchbrochen wurde, haben wir die Position glattgestellt. Ein ähnliches Bild zeigte sich bei DAIMLER.

ADIDAS lief nach unserem Ausstieg wieder in unsere Richtung. Bis 14:30 Uhr hätten wir einen großen Teil der Verluste wieder wett gemacht, wenn wir die Position gehalten hätten. Zum gleichen Zeitpunkt hätte diese falsche Hoffnung aber auch dazu geführt, dass die Verluste in DAIMLER auf das 1,5-fache und in INFINEON auf etwa das Dreifache angewachsen wären.

Grundsätzlich gilt deshalb: Ist ein Risikoziel erreicht, werden die Positionen aus dem Markt genommen, um Schaden vom wikifolio abzuwenden und den Drawdown gering zu halten. Für uns ist das nicht nur Teil der Strategiebeschreibung, sondern auch gelebte Praxis.

Auch wenn ein Handelstag mit einem positiven Vorzeichen selbstverständlich angenehmer ist, so sollte der risikobewusste Anleger unter Berücksichtigung oben genannter Prämisse durchaus zufrieden sein. Gute Performance besteht nicht nur aus der Aneinanderreihung möglichst vieler guter Entscheidungen, sondern immer auch aus einem konsequenten Risikomanagement der schlechten Entscheidungen.